Garmin Oregon 600 – unsere Erfahrungen

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Unser Verhältnis zum Garmin Oregon 600 könnte kaum zwiespältiger sein. Nach nunmehr 7 Monaten mit dem Gerät haben wir einige Erfahrungen sammeln können und diese sind leider, gerade im Vergleich zu unserem alten Oregon 300, viel zu häufig nicht positiv. Aber wir versuchen, abseits aller Nostalgie, unsere Erfahrungen und den Vergleich zu beschreiben.

Der erste Eindruck

Evolution by Garmin: eTrex H, Oregon 300 und Oregon 600 (v.l.)

Evolution by Garmin: eTrex H, Oregon 300 und Oregon 600 (v.l.)

Am Anfang unserer Entscheidung, das weitere Geocaching-Leben mit dem 600er zu verbringen, lag das überraschende Dahinscheiden unseres treuen Oregon 300. Mit dem quietschgelben eTrex H starteten wir anno 2008 in das Abenteuer „Dosensuchen“, doch die umständliche Bedienung, eine veraltete Schnittstelle und fehlende Karten auf dem Gerät ließen uns schnell das 300er anschaffen. Sechs Jahre lang wies es uns meist zuverlässig den Weg – mit den Macken lernten wir mit der Zeit umzugehen. Dann löste sich nach und nach die Gummierung am Hauptknopf und Feuchtigkeit drang in das Gerät ein. Damit hatten wir das endgültige Argument, uns das Oregon 600 zu kaufen: gesagt, bestellt, geliefert!

Nach dem Auspacken hauchten wir dem Neuankömmling mit einem Paar frisch geladener AA-Akkus Leben ein. Der Akkudeckel wirkt klappriger und der Verschluss mit dem kleinen Drahtbügel deutlich weniger wertig als die massive Schließe beim 300er. Dafür sorgte das schöne helle Display, sowie die butterweiche Touch-Bedienung wie bei aktuellen Smartphones für direkte Begeisterung. Die 16GB microSD-Karte, die schon im 300er ihren Dienst verrichtet hatte, wurde vom 600er ohne Murren akzeptiert. Auch ansonsten liegt das etwas flachere 600er gut in der Hand.

Kartenmaterial

Die t-Variante wäre mit einer vorinstallierten Topokarte gekommen. Aber auch das Oregon 600 ohne t lässt sich selbstverständlich problemlos mit OpenStreetMap-Karten befüllen. Wir nutzen dafür die vorbereiteten Karten von OpenMTBMap.org für Mac OS X, welche über Basecamp und den Garmin MapInstaller einfach installiert werden können. Die Seite ist allerdings nur teilweise kostenlos, dafür kann man sich hier für einen relativ kleinen Betrag mit fertig installierbarem Kartenmaterial aus aller Welt versorgen. Die Deutschland-Karte von OpenMTB Maps ist dauerhaft auf unserem Garmin 600 installiert und liefert sehr viele Informationen je nach gewünschtem Detaillierungsgrad. Für eine unserer Reisen spielten wir Open-MTB-Karten von Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich und Großbritannien auf – das Oregon kam problemlos mit dieser Datenmenge klar. Beim Aufspielen von umfangreicherem Kartenmaterial, aber auch größerer Pocketqueries, macht sich das schnellere USB-Interface gegenüber dem 300er bemerkbar.

Die Karten sind im Oregon 600 ebenfalls routingfähig, aber dieses Feature nutzen wir nicht, da wir entweder im Auto oder zu Fuß unterwegs sind. Zu Fuß haben wir immer genug Zeit, die richtigen Wege herauszusuchen – mit dem Fahrrad ist das sicher anders.

Einsatz im Feld

Die Empfindlichkeit des Touchscreens ist Segen und Fluch zugleich. Es lässt sich schnell und flüssig durch die Menüs navigieren und die Oberfläche reagiert prompt und zuverlässig. Allerdings hat das auch seinen Nachteil, da das Touchscreen nicht nur auf Finger, sondern auf jegliche Druckeingabe reagiert. Baumelt das Gerät also an einem Lanyard oder Karabiner, verstellt oder löscht man damit schon einmal die eine oder andere Einstellung. Wir haben uns damit beholfen, dass wir die untere der physischen Schnellzugriffstasten rechts am Gerät mit Sperren (einmal Drücken) und Entsperren (zweimal Drücken) belegt haben. Dies lässt sich mithilfe der praktischen Kurzbefehle einrichten. Dazu weiter unten mehr. Das spiegelnde Display kann auch bei Sonneneinstrahlung gut abgelesen werden und die regulierbare Beleuchtung sorgt auch bei Dunkelheit für den richtigen Durchblick.

Desweiteren hat das Gerät trotz der Dauer, die es bereits auf dem Markt ist, immer noch arge Softwareprobleme. Bei jedem zweiten Außeneinsatz genehmigt sich das Oregon 600 einen Neustart durch Absturz. Erreichen wir die Zielkoordinaten, passieren häufig zwei Dinge: erstens zeigt das Gerät eine Restdistanz von 10…8…7…6… Meter an, sobald man stehen bleibt, zeigt das Garmin an, dass man bereits vorbeispaziert ist: 5..6..7..8..10..13 Meter. Zweitens bleibt der Pfeil, der die aktuelle Position anzeigt, häufig unvermittelt hängen und trödelt noch ein paar Sekunden oder auch Minuten hinterher. Der Track wird zwar weiter korrekt angezeigt, trotzdem ist die Anzeige ziemlich verwirrend. Gerade in Wäldern empfinden wir das 600er als deutlich weniger zuverlässig in der Genauigkeit, als das 300er. Manchmal haben wir auch das Phänomen, dass Caches auf der Karte ab einer bestimmten Zoomstufe nicht mehr angezeigt werden. Sollte es kein Bug sondern ein Feature sein, ist dieses Verhalten zumindest mal überraschend und nicht benutzerfreundlich.

Aber: Das Gerät ist robust! Nach dem Bericht im Geocaching-Magazin, bei deren Test das Displayglas gesprungen war, verschoben wir unsere Kaufentscheidung. Doch dieses Stress-Test-Video von Garmin Deutschland hat uns überzeugt, dass es sich dabei um einen Einzelfall handeln musste. Auch uns ist das 600er bereits aufs Display gefallen und hat diesen Sturz schadlos überstanden. Schauen wir uns das geschundene Display und auch das restliche Gehäuse des 300ers an, müssen GPS-Geräte bei uns einiges wegstecken. Schutzhüllen und Displayfolien sind für Handys, nicht für Outdoorgeräte! Hier liefert Garmin ein solides Gerät ab, das unseren Ansprüchen genügt.

Bedienung

Die Bedienung empfinden wir gerade im Lichte der Möglichkeiten heutiger Smartphones und deren Apps als wenig intuitiv und häufig umständlich. Garmin scheint wohl davon auszugehen, dass man überall alles immer auf Standardeinstellungen zurückstellen können müsste. In vielen Kontextmenüs gibt es diese Funktion – ein Graus in Verbindung mit der versehentlichen Fehlbedienung durch den leichtgängigen Touchscreen. Ruckzuck sind die Einstellungen verstellt.
Die Fülle der Einstellungen ist zwar grundsätzlich positiv, allerdings verliert man sich häufig in den Endlosmenüs, und ist die Einstellung gemacht, muss man darauf aufpassen, diese wie oben beschrieben nicht wieder zu verlieren. Um sich Wege abzukürzen, bietet Garmin die bereits erwähnten Kurzbefehle. Damit können Menüpunkte oder Aktionen auf dem Homebildschirm als Icon hinterlegt oder wie beschrieben auf Tastendruck ausgelöst werden. Hier bietet das Gerät eine sehr flexible Konfigurierung. Man kann alles was man braucht schnell erreichen und wie auf einem Smartphone selbst sortieren.

Die Bedienung der Kernfunktion für Geocacher, wenn denn alles eingestellt ist, funktioniert dann allerdings gut. Ziemlich flüssig werden Suchanfragen auf die gespeicherten Pocketqueries ausgeführt, allerdings scheinen nur Caches unterhalb einer bestimmten Entfernung (100 km) angezeigt zu werden. Die Karten zoomen ebenfalls flüssig und können schnell verschoben werden. Punkte auf der Karte (wie z.B. POI, Caches) können, im Vergleich zum 300er, deutlich sicherer ausgewählt werden.
Die Beschreibungen der Geocaches werden vollständig angezeigt. Die Fragen oder Logbedingungen, die z.B. zum Loggen eines Earthcaches notwendig sind, entgehen einem damit nicht mehr. Gerade bei langen Beschreibungen wurde dieser essentielle Teil beim 300er häufig einfach abgeschnitten.

Unser Fazit

Wie bereits eingangs erwähnt, sind wir mit dem Oregon 600 nur bedingt zufrieden. Schön ist das Display und die Touchbedienung, welche allerdings ihre Tücken hat. Außerdem ist es sehr robust im Vergleich zu einem Smartphone.

Die Instabibilität der Software aber nervt, ebenso wie die kleinen Bugs bei der Navigation. Wir wollen das 600er lieben, zumal es für Geocacher alles aus einem Gerät liefert, aber es gelingt uns nicht. Sicher sind im Vergleich zum 300er ein wenig nostalgische Gedanken dabei, aber alles zusammen genommen waren wir damit glücklicher. Die Smartphones werden auch in Bezug auf Geocaching immer besser und wir überlegen, ob wir künftig nicht häufiger damit losziehen. Mit einer robusten Hülle und einem zusätzlichen Akku versehen all die Vorteile nutzen, die mit Apps wie Geocaching, Looking4Cache oder Geosphere einhergehen (Satellitenbilder!). Eine echte Empfehlung können wir daher für das Garmin Oregon 600 leider nicht aussprechen.

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Garmin Oregon 600 oder den Alternativen?

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5 Kommentare:

  1. Sven Barwich

    Also mit den letzten Firmware – Updates und der Topo Deutschland kann ich Jörg Thamer nur recht geben, selbst in Schluchten oder zwischen hohen Häusern hab ich nur geringe Abweichungen.
    Wer wie ich mit einem Etrex H das Cachen angefangen hat und von dort den Weg über das Oregon 300 zum Oregon 600 gefunden hat, der wird es nie mehr missen oder hergeben wollen.

    Gruß aus dem Ermstal

    Sven

    • Vollkorn&Bugie

      Hallo Sven,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Wir haben seit ein paar Tagen auch das neueste Update geladen, konnten das Gerät aber seit dem noch nicht ausgiebig im Feld testen. Vielleicht kann uns Garmin ja nochmal überraschen. Sollte sich unsere Meinung ändern, werden wir dies natürlich auch im Artikel erwähnen.

      Viele Grüße
      Ronny

  2. Vollkorn&Bugie

    Hier ein kleiner Tipp aus dem Netz, falls ihr mal Probleme mit dem Anzeigen von Wegpunkten auf dem Oregon 600 habt: http://gcteam-vt601.webnode.com/garmin-oregon-600/

  3. Mit der Rezension ist das Gerät sehr gut beschrieben. Die Irreführung bei Annäherung nervt uns auch. Das ist doch gerade die Kernaufgabe eines solchen Gerätes und dürfte eigentlich nicht passieren. Wie kann man bei der Produktvorbereitung im Feldtest so etwas freigeben? Ok, wenn man es dann weiß, geht’s dann; bleibt aber trotzdem ärgerlich. Meine Frau sagte erst heute, dass sie das Ziel immer dreimal anläuft, dann hat sie die Position. Was die Konfigurierbarkeit und intuitive Bedienbarkeit angeht, so würde mich das eTrex Touch 25 interessieren, weil hier anscheinend ein durchdachteres Konzept vorliegt. Mal sehen, ob ich ein solches zum Antesten besorgen kann.
    Gruß aus dem Vogelsberg

    Michael

  4. Ich bin den gleichen Weg vom 300er zum 600er gegangen und möchte nicht mehr zurück wechseln. Hab bislang auch wenig Ärger mit der Software. Das Phänomen mit dem Vorbeilaufen habe ich allerdings auch. Dafür habe überzeugt mich das Display des 600er.

    Insgesamt bin ich mit dem Garmin Oregon 600 in Verbindung mit der Topo Deutschland sehr zufrieden. Alles andere wäre Jammern auf höchstem Niveau.

    Gruß aus Limburg!
    Jörg

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