Amman – chaotische Hauptstadt mit Herz

Mit ein paar Pannen kamen wir in Amman, der Hauptstadt des haschemitischen Königreichs Jordanien, an und hatten damit keinen guten Start. Aber mit ihrer orientalischen Andersartigkeit hat uns die Metropole sofort alle Unwägbarkeiten vergessen lassen und in ihren Bann gezogen.

Nächtliche Straßen von Amman

Nächtliche Straßen von Amman

Nächtliche Ankunft mit Pannen

Für die Reise wählten wir einen Direktflug mit Lufthansa von Frankfurt nach Amman. Einziger Nachteil gegenüber den teureren Alternativen und Verbindungen mit Zwischenstopps ist die nächtliche Flugzeit. Um 2:00 Uhr nachts Ortszeit (1 Stunde Zeitverschiebung nach Hause) landeten wir auf dem Queen-Alia-Airport. Nach kurzer Wartezeit bei der Einreise holten wir unsere Koffer vom Band.
So weit so gut, doch die erste Panne ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Draußen am Taxistand war dann nämlich erst einmal Schluss. Streik der Flughafentaxis, Mietwagen erst für zwei Tage später gebucht und alternative Verkehrsmittel wie eine Metro oder Busse: Fehlanzeige. Aufgeregt versuchten die Verantwortlichen das Problem zu lösen, rannten hier hin, fuchtelten dort herum! Und wir hundemüde mit unserem Sack und Pack in einer Warteschlange. Zum Glück etwas weiter vorne… nach zwei Stunden, gefühlten vier, kamen die sich erbarmenden Taxifahrer in Kolonne hupend und blinkend angefahren. Welch eine Erleichterung.

Amman bei Nacht

Amman bei Nacht

Wir bekamen ein Taxi, verluden alles und nannten unser Ziel: Khuttar Apartment. Der Fahrer nickte, es ging los. Beim anschließenden Telefonat des Fahrers haben wir uns erstmal nichts gedacht. Auch bei uns sind die Taxifahrer ja häufig am Telefonieren. Bis er uns sein Handy hinhielt. Das Ziel war wohl doch nicht so ganz klar… Ronny übernahm das Telefon und versuchte auf englisch zu erklären, wohin es laut Buchungsbestätigung gehen sollte. Ahmed, am anderen Ende der Leitung, sprach ganz gut englisch und so ging das Telefon mehrmals zwischen dem Fahrer und Ronny hin und her, bis alle Unklarheiten beseitigt waren. Das Taxi brauste derweil über den nächtlichen Airport-Highway der Stadt entgegen. So weit, so müde. Immer noch skeptisch fuhren wir nach Verlassen des Highways durch die Vororte von Amman. Irgendwann standen wir tatsächlich vor dem kleinen, unscheinbaren, aber blitzeblanken Eingang von Khuttar Apartment… überglücklich und in freudiger Erwartung eines Bettes zogen wir die Koffer aus dem Wagen, zahlten den Fahrpreis von 25 JD inklusive Trinkgeld, und schleppten uns zur Rezeption. “We had a damaged ceiling in the 3rd floor. But we have a room reserved for you around the corner…” erklärte uns Saïd, der Portier. Wie bitte, kaputte Decke, anderes Hotel? Kein Zimmer? Kein Bett? Umziehen?! Ja, so war es. Deprimiert zogen wir die Koffer durch das nächtliche Amman, zum Glück wirklich nur ca. 50 m weiter, und zogen für eine Nacht ein im Amman Inn Hotel. Nun war uns wirklich alles egal – wir bezogen das Zimmer und krochen ins Bett.

Khuttar Apartment

Wirklich toll waren weder das Ausweichhotel noch das angebotene Frühstück. Wir hatten noch ein bisschen Schlaf nachzuholen und verließen das Amman Inn Hotel um 12:00 Uhr. Schließlich bekamen wir im Khuttar Apartment nicht nur ein Zimmer für die weiteren zwei Nächte, sondern auch ein Upgrade. Ob es wirklich einen Schaden gab oder ob es eine Masche wegen Überbelegung war, keine Ahnung. Jedenfalls war das Zimmer sehr sauber, mit dem Vorraum hatten wir genug Platz und fühlten uns wohl. Das arabische Frühstück mit Brot, Hummus, Labneh, Zatar etc. wird morgens telefonisch á la carte bestellt und auf das Zimmer geliefert, ein Restaurant gibt es nicht.

Leicht chaotisch: Ammans Straßen

Leicht chaotisch: Ammans Straßen

Das Hotel liegt im Stadtteil Swefieh, westlich der Altstadt und auch etwas außerhalb. Gegenüber befindet sich die Swefieh Avenue Mall inklusive Supermarkt, in dem es sich prima versorgen lässt. Ausländische Supermärkte haben für uns einen besonderen Reiz, andere Waren, andere Gerüche. Man sieht schnell, worauf die Menschen im Alltag Wert legen. Die Mall wird durch einen Metalldetektor betreten, ein Sicherheitsbeamter überwacht den Eingang. Gepiepst hat es immer, kontrolliert wurden wir trotz Fotorucksack selten und meistens durchgewunken, wie die anderen Besucher auch. Der Sinn hinter den Kontrollen blieb uns damit irgendwie verschlossen.

Häusermeer

Häusermeer

Hoch auf den Zitadellenhügel

Noch etwas geplättet vom Nachtflug und dem kurzen Schlaf, machten wir uns am frühen Nachmittag auf den Weg in die Stadt. Die Taxifahrt durch den chaotischen Verkehr in die Altstadt dauerte ca. 15 Minuten und war mit ca. 3 JD erschwinglich.

Auf dem Zitadellenhügel

Auf dem Zitadellenhügel

Wir erklommen in der Mittagshitze zu Fuß den 850 m hohen Zitadellenhügel und wiesen mindestens 10 Taxifahrer ab, die verwirrt waren, dass jemand zu Fuß den Hügel besteigt. Mit uns konnten sie jedoch kein Geschäft machen.

Am Eingang zur Zitadelle sahen wir die ersten anderen Touristen, es waren aber nur wenige Besucher auf dem Gelände, entsprechend schnell waren wir – Jordan Pass vorzeigend – durch den Einlass. Wir lehnten dankend das Angebot für eine Führung ab und erkundeten den Ort für uns und staunten über die vielen römischen Relikte, wie die großen Säulen des Herkulestempels und den gut renovierten Eingangstores des Ummayyadenpalast. Von hier aus hat man einen tollen Blick über die Häuserschluchten der Stadt und hinab zum Römischen Theater.

Römisches Theater

Römisches Theater

Und hinunter in den Souk

Kaum zurück in der Altstadt angekommen, tauchten wir in das arabische Leben im Herzen der Stadt, den Souk, ein. Die vielen kleinen Lädchen und Stände luden zum Gucken ein, überall saßen die Menschen beim Tee oder Shisha schmauchend beisammen, Kinder und Katzen wuselten zwischen den Beinen umher, zwischendurch rief der Muezzin, es wirkte wie ein großes Wimmelbild. Es gibt nichts, was es hier nicht zu kaufen gibt, überall werden die besten Preise angepriesen. Wir waren völlig überwältigt von diesem Labyrinth aus Gewürzpyramiden, bunten Kopftüchern und blinkendem Plastikspielzeug und kehrten erstmal in ein Café ein, um uns bei einem leckeren süßen Schwarztee zu sortieren.

Töpferkunst

Töpferkunst

Geocaching-Länderpunkt

Nun waren wir schon einen Tag in Jordanien und hatten noch keinen Geocache gefunden. Mit GC5213H | Welcome to AMMAN sollte dies geändert werden, also machten wir uns auf den Weg, etwas abseits der quirligen Altstadt, um den Cache zu finden. Über den Ort wollen wir gar nicht soviel verraten, als dass die Dose sehr sicher und unter strenger Bewachung versteckt ist ;).

Geocaching in Amman

Geocaching in Amman

Wir kamen am Versteck mit dem Wächter ins Gespräch, plauderten noch ein wenig über das Hobby und über dies und das, stempelten uns ins Logbuch, tauschten Trackables und setzten unseren Gang zurück in die Stadt fort. Denn so langsam machte sich ein hungriges Gefühl in der Magengegend breit und es war Zeit, die kulinarischen Köstlichkeiten Jordaniens kennenzulernen.

Arabische Nächte

Café in der Rainbowstreet

Café in der Rainbow Street

Wenn es dunkel wird, strebt alles in die Straßen rund um die Rainbow Street, dem Ausgehviertel in Amman. Hier liegt ein Café und Restaurant neben dem nächsten. Wir entschieden uns für das Sufra Restaurant und wurden nicht enttäuscht. Es gibt eine große Auswahl an kalten und warmen Mezze (Vorspeisen), leckeren Hauptspeisen und süßen Desserts. Wir konnten uns kaum entscheiden und bestellten einiges zur Auswahl, kosteten kreuz und quer, und ließen den Abend bei Arabic Sweets und heißem Tee ausklingen.

Süßer Tee und arabische Köstlichkeiten

Süßer Tee und arabische Köstlichkeiten

Doch wir hatten noch nicht genug und winkten uns einen Taxifahrer heran, der uns auf unserer Suche nach tollen Spots für Nachtfotos durch die Stadt helfen sollte. Taxifahrer sollten eine Stadt ja in- und auswendig kennen. Er fand nicht nur den besten Blick auf den Zitadellenhügel oder das Theater, sondern beruhigte auch einen Militärangehörigen für uns. Der Sack mit dem Stativ, das Stativ selbst und die komplette Fotoausrüstung weckte doch einigen Argwohn bei dem jungen Soldaten, der nahe eines Fotospots auf die Abdoun Bridge ein Objekt bewachte.

Abdoun Brücke

Abdoun Brücke

Mit einigen tollen Nachtfotos im Gepäck traten wir den Rückweg zum Hotel an und beendeten einen wunderbaren Tag in dieser quirligen Stadt, deren arabischer Charme uns wohlfühlen ließ und deren Bewohner wir mit ihrer Freundlichkeit schon jetzt ins Herz geschlossen hatten.

Zitadellenhügel bei Nacht

Zitadellenhügel bei Nacht


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