Die Ruinen von Jerash

Jerash, das “Pompeji des Ostens”, bietet als antike Stätte viele beeindruckende Monumente römischer Baukunst. Triumphbögen, schier endlose mit Säulen gesäumte Straßen, mächtige Tempelruinen, Brunnen, zwei Amphitheater und sogar ein Hippodrom versetzen die Besucher ins Staunen. Die Anlage bietet ausreichend Sehenswertes, so dass man hier mindestens einen halben Tag einplanen sollte.

Antikes Jerash

Antikes Jerash

Im 1. und 2. Jahrhundert übernahmen die Römer das Zepter in dieser Region und Jerash wurde eine florierende Handelsstadt mit einer Stadtentwicklung nach römischen Vorbild. In dieser Zeit entstanden auch die meisten Bauten, deren heutige Überreste und Ruinen in Jerash besichtigt werden können.

Selfie zwischen Ruinen

Selfie zwischen Ruinen

Anfahrt

Das moderne Jerash (auch Gerasa oder Jarash), ist von Amman aus mit einer 1,5-stündigen Fahrt auf dem Kings Highway, der R35, zu erreichen. Bevor wir jedoch die Fahrt in den Norden antreten konnten, mussten wir erst einmal einen fahrbaren Untersatz organisieren – sprich: den bestellten Mietwagen abholen. Ein Taxi brachte uns vom Hotel zum King-Abdullah-Komplex, wo gleich mehrere Fahrzeugvermieter ihre Stationen haben. Wir fanden unseren Anbieter relativ schnell, alles ist gut ausgeschildert. Im Büro erledigten wir die Formalien und durften aus mehreren Modellen ein Fahrzeug auswählen: Deutsche Fahrzeuge wären zu teuer (bzw. standen nicht zur Auswahl) und Fahrzeuge japanischer Hersteller haben uns bis jetzt immer zuverlässig durch den Urlaub gebracht. Also sollte es ein Mitsubishi Lancer EX werden. Wir bekamen ein silbernes Exemplar mit vielen kleinen Kratzern, Dellen und Schrammen… das Auffälligste jedoch war ein riesiger Heckspoiler! “The Fast And The Furious” lässt grüßen. 😉

Besucherzentrum

Besucherzentrum

Die verbleibende Strecke von der Vermietstation durch Amman bis hinaus in ländliche Gefilde verlangte uns durch den starken Verkehr und die Gepflogenheiten auf jordanischen Straßen einiges ab. Erst ein ganzes Stück nördlich von Amman wurde das Autofahren etwas einfacher. Unsere Hupe funktionierte bestens, denn diese kam häufiger zum Einsatz – man gewöhnt sich schnell daran, die anderen Verkehrsteilnehmer daran zu erinnern, dass man auch noch da ist. Das Fahren klappte mit jedem Kilometer besser, aber wir genossen auch die wesentlich entspanntere Fahrt über Land.
Das Auto bekamen wir nur halb voll übergeben und steuerten entlang der R35 eine Tankstelle an. Wo bei uns ein Tankshop ist, gibt es hier eine Bäckerei – neugierig betraten wir den Verkaufsraum. Auf einem Förderband kamen die Fladenbrote aus dem Keller nach oben gefahren, riesige Backbleche voller Baklava und anderen süßen Köstlichkeiten waren verteilt auf den Verkaufstischen. Herzhaft gebackene Fladenbrote mit Zatar gab es an einer weitere Theke – hier deckten wir uns mit ein paar Snacks für unterwegs ein. Alles roch verführerisch und alle waren sehr hilfsbereit und freundlich. Natürlich war es ein einfacher Laden, aber irgendwie toll. Wir zahlten vergleichsweise wenig und machten uns im Auto direkt über die Snacks her… sehr lecker. Wir haben generell viel Gefallen an der arabischen Küche gefunden.

Die antike Stadt

Hadrianstor

Hadrianstor

Das markante Hadrianstor aus dem 2. Jahrhundert begrüßt die Besucher von Jerash und ist schon vom Stadteingang aus zu sehen. Der Parkplatz und Zugang zum Gelände liegen links davon. Wir verpassten erst einmal die Zufahrt, da sie nicht gut ausgeschildert ist, deshalb sollte man sich einfach am Tor orientieren. Der Parkplatz ist groß genug, aber viele Besucher gab es sowieso nicht, so dass für uns noch ein schattiges Plätzchen übrig blieb. Wir passierten den obligatorischen Metalldetektor, es piepste, keinen interessierte es – das Übliche also. Im Eingangsbereich befinden sich einige Souvenirstände und Toiletten. Mit dem Jordan Pass durften wir auch hier den Eintritt passieren, ohne das nötige Kleingeld (10 JOD) zu zücken. Ausländer zahlen an den Sehenswürdigkeiten übrigens einen höheren Ticketpreis als Jordanier. Die Zahlung mit Kreditkarte ist nicht überall möglich, es empfiehlt sich daher, Bargeld dabei zu haben oder wie bereits empfohlen, den Jordan Pass vorab zu buchen.

Museum im Besucherzentrum

Museum im Besucherzentrum

Zuerst durchschritten wir den 2008 restaurierten und zu Ehren des Kaisers Hadrian erbauten Triumphbogen. Links schließt sich bereits das Hippodrom an. Es ist dort auch möglich, eine kleine Runde mit einem Pony zu drehen, aber uns war nicht nach Reiten. Stattdessen folgten wir dem Weg in Richtung des südlichen Stadttores. Hier befindet sich auch das Besucherzentrum und man betritt die eigentliche Stadt. Das Hadrianstor und das Hippodrom liegen vor den ehemaligen Stadtmauern.

Forum

Forum

Vorbei an den immer noch mächtigen Mauern des Zeustempels öffnet sich das ovale, mit intakten Säulen eingefasste Forum. Es hat einen Durchmesser von bestimmt 100 Metern und ist vollständig gepflastert. Dahinter biegt leicht links der schnurgerade Cardo Maximus ab. Diese ehemalige Hauptstraße beeindruckt ebenfalls mit ihrer Fülle von 500 intakten Säulen hin zum Nordtor und die tiefen Fahrrillen zeugen von regem Treiben auf der über 800 Meter langen Straße.

Cardo Maximus

Cardo Maximus

Nach ein paar hundert Metern passierten wir die Eingangstore der Kathedrale. Ehemals als Tempel des Dionysus geweiht, wurde daraus im 4. Jahrhundert eine byzantinische Kirche. Es geht den Hügel hinauf, vorbei an den Fundamenten weiterer Kirchen, bis zu den 11 der ehemals 12 riesenhaften Säulen des Artemistempel hoch über der antiken Stadt. Unweit davon finden aktuell weitere Ausgrabungen statt und etwas unterhalb befindet sich das sehr schön restaurierte nördliche Amphitheater.

Wenn es am schönsten ist…

Von oberhalb der Ränge sieht man bereits das Nordtor und erreicht dort das Ende der Anlage. Mit einer kurzen und zum Glück einsamen Performance aus Shakespeares Hamlet  “Sein oder Nichtsein” testeten wir die Akustik des Theaters. Es ist erstaunlich, wie gut selbst in normaler Lautstärke gesprochene Worte selbst auf den obersten Rängen verstanden werden – wirklich toll, was die antiken Baumeister bereits leisten konnten.

Nördliches Amphitheater

“Sein oder Nichtsein…” Raum für einsame Performance

Über die Bühne verließen wir das Theater, liefen über eine kleine Freitreppe und schwenkten nach rechts auf den Cardo Maximus ein. Links liegt das Nordtor und im Schatten des nördlichen Tetrapylon, ein Tor mit vier Ausgängen über eine Straßenkreuzung, machen wir ein kurzes Päuschen. Nicht weit davon befindet sich das Nympheum, ein zweistöckiger Prachtbrunnen, in dessen Giebel man noch teilweise alte Fresken erkennen kann.

Am südlichen Tetrapylon verließen wir erneut den Cardo Maximus für eine gute Sicht von oben auf das Forum. Ehe wir das südliche Amphitheater als letzte Station aufsuchten, kraxelten wir kurz durch die Ruinen des Zeustempels herum. Aus dem nahen Amphitheater erschallte Musik, laut klangen Dudelsack und Paukenschläge zu uns herüber.

Historisch Uniformierter

Historisch Uniformierter

Der Grund war eine italienische Reisegruppe, die für eine folkloristische Einlage in das Theater geführt wurde. Wir erklommen die Ränge und lauschten der Musik, zwischendurch gab der wohl bestimmt schon 70-jährige Gruppenclown noch eine Vorführung italienischer Arien zum Besten – klang nicht ganz so schlecht. Im besten Falle hätte ihm in diesem Theater ein Auditorium von vier- bis fünftausend Zuhörern gelauscht – heute war es nur seine Reisegruppe, er selbst und wir.
Danach erschallte erneut die Dudelsackmusik untermalt von Paukenschlägen. Dies zusammen mit der Kulisse von Jerash und der jordanischen Landschaft, brachten uns so richtig in Urlaubsstimmung. Jeder Alltagsstress war in diesem Moment weit weg und nicht vorhanden.

Wenn es am Schönsten ist, sollte man gehen und so traten wir den Rückweg zu unserem Auto an. Noch einmal ließen wir den Blick über Jerash gleiten: die Tempel, das Forum, die Säulenstraße lagen uns zu Füßen. Der Besuch hat sich gelohnt, Jerash hat uns sehr beeindruckt und wir können einen Besuch – besonders für historisch interessierte Reisende – empfehlen.

Blick über Forum und Cardo Maximus zum Nordtor

Blick über Forum und Cardo Maximus zum Nordtor


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Ein Kommentar:

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