Die wilde Schönheit La Gomera

Der letzte Hafen auf einer Cruise ist für uns immer etwas Spezielles. Es ist dann gewiss, dass die schöne Fahrt bald vorbei sein wird. Eine Menge Eindrücke sind bereits im Gepäck und daran muss sich der letzte Landgang irgendwie auch messen lassen. Außerdem stellt sich manchmal das Gefühl “jetzt aber nochmal richtig genießen” ein, denn der Urlaub ist schließlich fast rum. Die Erwartungen an La Gomera waren also entsprechend hoch.

Küste von La Gomera im Morgenlicht

Küste von La Gomera im Morgenlicht

Morgenluft

In der Vorbereitung haben wir uns ein bisschen zur fast kreisrunden Insel eingelesen und ein wenig erinnert ihre Form an einen Gugelhupf – nur ohne Loch in der Mitte. Da gibt es die teils steile Küste mit fruchtbaren Tälern und das hochgelegene Plateau in der Mitte mit dem Nebelwald. Wir begannen schon am frühen Morgen mit dem “richtig Genießen”. Zum Sonnenaufgang reckten wir auf dem Balkon die Nasen in die frische Morgenluft, während die Mein Schiff 4 langsam in den Hafen von San Sebastián hineinglitt. Die Sonne beschien bereits die felsige Küste und auch der schneebedeckte Gipfel des Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa war schemenhaft im Dunst zu erkennen. Dazu ein Kaffee aus der kabineneigenen Nespressomaschine – wieviel besser könnte ein Morgen beginnen?!

Einlaufen

Einlaufen

Während des Frühstücks machte das Schiff am Pier fest und wurde freigegeben. Damit stand dem Landgang nichts mehr im Wege. Wie schon in Lanzarote nahmen wir uns hier einen Mietwagen für die individuelle Erkundung. Die Vorabbuchung hatte auch deutlich besser als für Lanzarote geklappt, denn mehr als ein Kreuzfahrtschiff nimmt der Hafen von San Sebastián kaum auf. Am Ende des Piers sind im kleinen Terminal die Vermietstationen – nur von Avis, unserem Anbieter, war nichts zu sehen. Kurz nachgefragt bei der Konkurrenz bekamen wir eine freundliche Antwort: “Ich rufe den Kollegen an, dauert nur ein paar Minuten”. Man kennt sich, die Insel ist klein. Kaum 5 Min später fuhr unser Polo vor. Formalien erledigten wir sofort. Rückgabe? Einfach mit Schlüssel im Handschuhfach am Hafen abstellen. Es kommt nichts weg, die Insel ist klein.

Atemberaubende Ausblicke

Eine Rundfahrt um die Insel gegen den Uhrzeigersinn war mehr oder weniger das Tagesprogramm und so starteten wir den Motor unseres schwarzen VW Polos, fuhren aus dem kleinen Hafen heraus, durch San Sebastián hindurch und schon erklomm der Kleinwagen die kurvige Landstraße. Durch Tunnel, entlang der Berge und mit tollen Aussichten zurück auf das Tal, an dessen Ende die Mein Schiff 4 uns am Abend wieder erwarten würde.
Der Straße GM-1 folgend meisterten wir Kurve um Kurve hinunter in das Tal von Hermigua. Dominiert vom Bananenanbau auf den Terrassen an den Hängen wurde dem Tal angeblich das Prädikat “Bestes Klima der Welt” verliehen – viele Highlights boten sich zwar nicht, aber wir machten oberhalb des Tals eine kleine Pause für den Earthcache GC42TYT | Islas Canarias Cataclismo Geológico – La Gomera. Von hier oben gibt es eine tolle Aussicht auf den Strand und die Reste des ehemaligen Hafens zur Verladung von Bananen auf der anderen Seite der Bucht.

Wir fuhren weiter nach Agulo im Nachbartal und folgten der Straße bis Las Rosas. Von hier aus kommt man nach Verlassen der GM-1 in den höher gelegenen inneren Teil der Insel. Unser nächstes Ziel war der Mirador de Abrante, ein Aussichtspunkt oberhalb von Agulo. Unterwegs zum Mirador machten wir allerdings noch Halt im Besucherzentrum des Nationalparks Garajonay – UNESCO Weltnaturerbe. Direkt am Eingang zum schönen Garten des Juego de Bolas lockte uns ein Döschen GC42QXH | P/Nl GARAJONAY Centro Visitantes de JUEGO DE BOLAS, das wir mit einem schnellen Griff aus seinem Versteck angeln konnten. Wir spazierten kurz durch den Garten der Anlage und holten uns ein paar Ideen, um den immergrünen Nebelwald zu besuchen. Eine freundliche Dame gab Auskunft über die Insel und die örtlichen Gegebenheiten und wir bekamen ein paar Tipps für kurze Spaziergänge durch den Park. Zusätzlich konnten wir an den Informationstafeln im Gebäude ein paar der Fragen für den oben erwähnten Earthcache beantworten.

Mirador de Abrante - Skywalk

Mirador de Abrante – Skywalk

Nach dem Abstecher führte uns eine schmale steile Straße weiter zum Mirador. Am Aussichtspunkt hoch über der nördlichen Küste steht ein Restaurant mit einer besonderen Attraktion: eine Art Skywalk mit gläsernem Boden. Es gibt zwar Drehkreuze, die einen zu zahlenden Eintrittspreis vermuten lassen, aber wir kamen problemlos zur Aussicht und auch in das Restaurant. Ein bisschen mulmig wird einem schon so hoch oben – nur ein paar Zentimeter Glas verhindern einen Sturz über mehrere hundert Meter in die Tiefe. Dafür ist aber der Ausblick lohnenswert. Gekrönt wurde unser Besuch mit einem Döschen, das sich ebenfalls unweit befindet. Mit Blick auf den nahen Stausee loggten wir Geocache Nummero 3 des Tages GC68Z0Z | GOMERA SKYWALK.

Wir setzten unsere Fahrt durch das Innere der Insel fort und das Klima hatte sich deutlich geändert – die Topographie der Insel zwingt die warmen Passantwinde in die Höhe und lässt die Feuchtigkeit des Atlantiks zu Wolken, Nebel und Regen kondensieren. Das Wetter wurde etwas rauer und ein paar Nebelbänke kreuzten unseren Weg über das Hochplateau.
Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, aber die Aktivität ist lange erloschen. So haben sich durch 2 Millionen Jahre Erosion die ehemaligen Schlote durch Abtragen des umliegenden Materials zu den heutigen sogenannten Roques herausgebildet. Als einsame Felsen ragen die früheren Feuerschlunde aus der bergigen Landschaft heraus. Entlang unserer Fahrt zum Valle Gran Rey, unserem nächsten Stopp, passierten wir ein paar dieser für La Gomera typischen Kolosse – ja, Earthcaches bilden :).

Roque Cano

Roque Cano

Erneut lockte uns ein Geocache vom Wege weg und führte uns zu einem unerwartet schönen Fleckchen. Bei Arure stoppten wir und betraten am Ende eines unscheinbaren Weges eine Terrassenanlage mit herrlichem Ausblick auf die westliche Küste. Doch der Cache befand sich noch ein Stückchen oberhalb an einem ehemaligen Aquädukt. Nach kurzer Kletterpartie wurde uns fast ein bisschen schwindlig von der Höhe und der atemberaubenden Aussicht. Die  kleine Kraxelei für GC5P6GE | Acueducto de Arure war aber ungefährlich und hat sich sehr gelohnt.

Valle Gran Rey liegt wie San Sebastián am Ende eines langgezogenen Tals und auf spektakulären Serpentinen schwangen wir der Talsohle entgegen. Die gut geteerte Straße brachte uns bis zur Küste und mit ordentlich Kaffeedurst sowie etwas Hunger erreichten wir Playa de la Calera.

Valle Gran Rey

Valle Gran Rey

Zusammen mit dem Städtchen Valle Gran Rey liegt es am Fuß der mächtigen Flanken des Tals und bietet einen kleinen Strand. Wir ließen uns in einem Café an der überschaubaren Promenade für ein Päuschen nieder. Ein frisches (extrem leckeres!) Sandwich, ein Kaffee und im Anschluss ein Schlückchen Sangria weckten unsere Lebensgeister wieder. Für ein Weilchen genossen wir sowohl die Ruhe als auch das Treiben an Strand und Promenade.

Märchenwald

Da es erst früher Nachmittag war, hatten wir Zeit für einen Abstecher in den Nebelwald. Aufgrund der Empfehlung aus dem Besucherzentrum mieden wir den südöstlichen Teil des Urwaldes. Hier hat ein Feuer einem Teil des Lorbeerwaldes stark zugesetzt. Die GM-2 führt mitten durch den Nationalpark und wir suchten uns eine kleine gekachelte Nebenstraße. Aufgrund der ständigen Feuchtigkeit und des häufigen Regens waren die Kacheln ziemlich wackelig und leicht rutschig. Begleitet von einem klackernden Geräusch der wippenden Steine unter den Reifen drangen wir immer tiefer in diesen mystisch wirkenden Wald vor. Feine Tropfen bildeten sich auf der Windschutzscheibe und als wir aus dem Auto stiegen spürten wir den kühlen Nebel im Gesicht.

Irgendwie faszinierend: Eben saßen wir noch am sonnigen Strand und jetzt standen wir im neblig dunklen und nasskalten Wald. Die Stille, dazu die bizarr geformten und von Moos überwucherten Äste, gaben uns das Gefühl, als würden wir im Fangorn-Wald von Mittelerde stehen. Gerne hätten wir eine ausgiebige Wanderung gemacht, doch die verbleibende Tageszeit war für einen letzten Spaziergang durch San Sebastián reserviert.

Auf Wiedersehen

Über GM-2, CV-14 und erneut auf der GM-1 gelangten wir zurück zu unserem Ausgangsort. Die Entfernungen sind wirklich überschaubar, die Insel ist klein. Ein Stündchen war noch übrig und dieses verbrachten wir mit einem kleinen Spaziergang durch die Fußgängerzone. Die Kreuzfahrer von der Mein Schiff 4 hatten sich wohl bereits zurückgezogen – es war ziemlich leer auf den Straßen. Lange brauchten wir nicht, um uns die Mariä-Himmelfahrt-Kirche und ein paar Nebenstraßen anzusehen, auch die Städte sind klein. Interessant für uns waren vor allem die bunten Häuser, welche den Hang oberhalb der Fußgängerzone spickten. Fehlte eigentlich nur noch ein Kühlschrankmagnet… für den wir auch nicht lange suchen mussten.
Die Autoabgabe war jetzt nur noch Formsache. Zurück im Hafen parkten wir den Polo, ließen die Schlüssel im Handschuhfach und sagten dem Kollegen von der Konkurrenz Bescheid. Man kennt sich, die Insel ist klein.

Wir betraten wieder “unser Schiff” und sahen ein wenig wehmütig der einzigen verbleibenden Nacht an Bord entgegen. La Gomera hatte uns als letzter Hafen nicht enttäuscht  – es ist sogar so, dass die Kanaren uns insgesamt sehr gut gefallen haben. Die spektakuläre, abwechslungsreiche, teils bizarre Landschaft und das angenehme Klima haben uns überzeugt. Jede Insel ist anders und wir sind gespannt, eines Tages auch noch die drei verbleibenden Inseln La Palma, El Hierro und Fuerteventura zu sehen. Natürlich bietet eine Kreuzfahrt immer nur einen kleinen Einblick, aber wir haben genug gesehen, um zurückzukehren und ein bisschen mehr Zeit auf den Inseln zu verbringen.

Schreibt uns einen Kommentar! Was sind eure Erfahrungen und Erlebnisse auf La Gomera?


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3 Kommentare:

  1. Danke für den interessanten Reiseblog und die damit verbundenen zahlreichen Tips!
    Im September machen wir genau die selbe Reise und wir werden euch vieles gleich tun. Der Bericht hat mir wirklich sehr geholfen und mich inspiriert. Nun steigt die Vorfreude noch mehr! Liebe Grüße

    • Hallo Clara,
      eine tolle Route habt ihr euch ausgesucht, sie ist so abwechslungsreich und echt schön.
      Wir freuen uns, dass wir ein paar Tipps für die Vorbereitung geben konnten. Vielleicht magst du uns nach der Reise verraten, wie es dir gefallen hat?
      Viel Spaß im Urlaub.
      Grüße von Christine

  2. Pingback:Found it! - Fundstücke #015 | Cachoholic

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