Intolerant – als Allergikerin auf Kreuzfahrt

“Calories don’t count on a cruise” lernten wir während unserer ersten Kreuzfahrt von einer Mitreisenden. Denn auf einer Kreuzfahrt spielt Essen eine große Rolle. Vollpension, oftmals Verpflegung rund um die Uhr, versprechen die Reiseanbieter. Ob am Buffet, im Bedienrestaurant oder als kleiner Snack zwischendurch, die frische Seeluft macht Appetit und wer am Ende des Tages hungrig in die Kabine fällt, hat etwas falsch gemacht.

Pasta

Pasta

Mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit (ich vertrage keine Kuhmilchprodukte) stellt sich jeder Gang ins Restaurant als Herausforderung dar. Wird es etwas auf der Karte geben, das ich essen kann oder kann die Küche ein Gericht auf meine Bedürfnisse angepasst zubereiten? Wir haben schon die skurrilsten Dinge erlebt, allen voran die freudige Anpreisung von laktosefreien Speisen. Nun habe ich eine Allergie gegen Laktose und Milcheiweiß, das verwirrt viele Menschen und hat schon so manche Diskussion, warum ich etwas nicht esse, in Gang gebracht. Selbst in einer Großstadt wie Frankfurt ist es nicht selbstverständlich, im Café Sojamilch zu bekommen oder ein milchfreies oder gar veganes Gericht auf der Speisekarte zu finden. Aber es wird und steter Tropfen höhlt den Stein… also fragen wir immer wieder nach und hoffen, dass die Nachfrage irgendwann das Angebot regelt.

Royal Caribbean Cruises

Zurück aufs Meer… Mit vielen Erfahrungen im Gepäck begaben wir uns auf meine erste Cruise als Allergikerin mit Royal Caribbean International (RCI). Die Reederei bietet die Möglichkeit, vorab online im Benutzerprofil sogenannte “Special Needs” bekannt zu geben. Das kann alles mögliche sein, vom Bedarf nach einer behindertengerechten Kabine, über die Verwendung von Dialysegeräten, bis hin zu Nahrungsgewohnheiten. Dort habe ich bereits im Vorfeld der Reise “dairy-free” angegeben. Damit die Angabe für die spezielle Fahrt auch beim Schiff ankommt, empfiehlt RCI, die Reederei über das Guest Special Needs Form oder per E-Mail an special_needs@rccl.com auf Besonderheiten aufmerksam zu machen. In einer Antwortmail wird empfohlen, sich an Bord am ersten Tag an den Maitre’D, also den Restaurantchef, zu wenden, um mit ihm die Speisekarte zu besprechen. Dieser wiederum informiert das Küchen- und Restaurantpersonal.

Auslage

Auslage

Die Speisekarte bei RCI bietet eine große Vielfalt an Appetizern, Vorspeisen, Suppen, Zwischen- und Hauptgängen an, da habe ich bisher eigentlich immer etwas gefunden, das entweder “so wie gesehen” essbar war oder durch ein wenig Nachjustieren (andere Soße oder Beilage) schnell essbar gemacht werden konnte. Am Ende des Dinners wird die Speisekarte des nächsten Tages gereicht und das Essen vorab ausgewählt, die Küche passt die Gerichte dann an. Der kleine Nachteil, dass damit am Tag selbst keine Auswahl bleibt und die Überraschung “Was gibts heute?” fehlt, ist für mich eigentlich keiner. Lieber gehe ich wissend an den Tisch, was mir serviert wird, als mich hinterher mit Beschwerden zu quälen.

Dessert

Dessert

Was niemals klappt, und das ist nicht nur der Großküche auf dem Schiff geschuldet, sind Desserts. Die guten leckeren Nachtische –  Tiramisu, Mousse au Chocolat, Crème brûlée, Törtchen etc. – bestehen nun mal alle aus Milchprodukten. Immer im Angebot für Allergiker ist deshalb eine Fruit Platter… aber mal ehrlich, wer mag schon an Apfelschnitzen knabbern, während die Tischbegleitung ein Sahnebömbchen genießt?! Ich hoffe, dass sich auch hier in nächster Zeit noch etwas tut und das Angebot erweitert wird. Wir kennen aber auch Gegenteiliges von unseren Reisen und haben Köche erlebt, die es sich zur Aufgabe machen, mit Ersatzprodukten zu experimentieren und mit einem leckeren milchfreien Desserttraum überraschten.

Mein Schiff – TUI Cruises

Ähnlich wie bei RCI ist der Ablauf bei TUI Cruises auf der Mein-Schiff-Flotte. Mit der Mein Schiff 4 waren wir unterwegs um die Kanaren und Marokko. Vorab gibt man im Onlineprofil die Besonderheiten an und wird am ersten Tag zum Allergikertreffen eingeladen. Ich habe nicht daran teilgenommen, da es für uns zeitlich ungünstig lag, sondern habe an der Rezeption meine Bedürfnisse erläutert und wurde in die Liste der Sonderwunschpassagiere aufgenommen. Abends legt der Kabinensteward die Speisekarte des Folgetages in die Kabine. Die Speisen werden ausgewählt, die Karte bis zu einer bestimmten Uhrzeit an der Rezeption abgegeben und die Bedürfnisse an die Küche weitergeleitet. Am Tisch selbst nennt man Name oder Kabinennummer und der Kellner organisiert aus der Küche die angepassten Speisen.

Backstube

Backstube

Die Ausschilderung auf der Mein Schiff 4 im Buffetrestaurant war dagegen dürftig und enttäuschte. Lediglich ein “vegetarisch” oder “glutenfrei” war ab und an zu sehen, ob sich ein Milchprodukt im Essen versteckt, war nicht ausgeschildert. Das Personal hinter den Theken spricht häufig wenig bis kein deutsch, manchmal sogar kein englisch, sich dort direkt auseinanderzusetzen ist eher schwierig. Empfohlen wird deshalb auch bei allen Reedereien, im Hauptrestaurant mit angepassten Speisen zu essen und nicht im Buffetrestaurant.

Einen leckeren Sojalatte gibt es bei Mein Schiff nicht nur morgens zum Frühstück im Bedienrestaurant, sondern ist auch in der TUI-Bar im Rahmen des Premium Alles Inklusive Angebots den ganzen Tag über erhältlich. Im Buffetrestaurant gibt es den Spezialitätenkaffee per Knopfdruck und in der Selbstbedienung aus der WMF-Maschine. Da gehen Milchallergiker leider leer aus. Es spricht aber nichts dagegen, den Latte Macchiato aus der Cafébar mitzubringen oder eben im Bedienrestaurant zu frühstücken.

AIDA

Auf den AIDA-Schiffen gibt es keine kostenfreien Bedienrestaurants. Zumindest gilt dies für die AIDAbella mit der wir in Westeuropa unterwegs waren. Zu Beginn der Reise wird für Allergiker die Möglichkeit angeboten, mit jemandem aus der Küche durch das Buffetrestaurant zu gehen und sich die Speisen und Möglichkeiten erklären zu lassen. Die Inhaltsstoffe sind an jedem Rechaud ausgeschrieben und es ist immer jemand in Reichweite, der bei Bedarf gefragt werden kann. Es gibt am Buffet, zum Beispiel im Restaurant Weite Welt, die Schonkostbar, eine kleine Allergikerecke, in der die üblichen Unverträglichkeiten aufgefangen werden. Gluten- oder milchfrei oder vegan… alles kein Problem. Sollte es etwas nicht in der gewünschten Form geben, können durchaus Extrawünsche erfüllt werden. Das dauert dann mitunter etwas, bis ein speziell zubereitetes Omelette oder Oatmeal fertig ist, aber es wird sich bemüht. Ersatzmilch ist auf den AIDA-Schiffen in vielen Sorten erhältlich, nicht nur die obligatorische Sojamilch, sondern sogar Reis- oder Hafermilch.

Salattheke

Salattheke

Fazit

Verhungert bin ich bisher auf keiner unserer Reisen, meistens habe ich sogar sehr gut gespeist. Da immer mehr Menschen an Unverträglichkeiten leiden oder auf ihre Ernährung auf die eine oder andere Weise achten, passt sich das Angebot schrittweise an. Der offene Umgang mit den speziellen Bedürfnissen hat sich für mich bewährt und so habe ich die Reisen bisher ohne Beschwerden erleben dürfen.

Kaffee mit Sojamilch (links)

Kaffee mit Sojamilch (links)

Aber dennoch erleben wir einiges, das wir hinterher als lustige Urlaubsanekdote erzählen können. Manchmal bemüht sich das Personal so sehr, dass der Kellner das halbe Schiff nach einem vorab bestellten veganen Cupcake durchforstet, der seinen Weg nicht rechtzeitig ins Restaurant geschafft hat. Oder dass der Küchenchef höchstpersönlich nach einer kleinen Beschwerde vor einem steht, um sich zu entschuldigen und Mahlzeiten durchzusprechen. Der Gast ist König.

Wie sind deine Erlebnisse, die du mit Unverträglichkeiten oder einer speziellen Ernährung im Urlaub gemacht hast?

 

2 Kommentare:

  1. Also ich bin Vegetarierin. Eigentlich fast nie ein Problem. In Namibia haben wir eine Nacht in einem Mövenpick Hotel nahe des Etoscha Parkes gewohnt. Auf der Speisekarte standen ausnahmslos Fleischgerichte. Auf meine Nachfrage an der Rezeption kam ein ” Na ja, Sie können ja Antipasti und Dessert essen”…. “Ich möchte aber auch gerne eine warme Hauptmahlzeit haben, nur eben ohne Fleisch!”…”Aber was essen Sie dann wenn Sie kein Fleisch essen? Kohl?” (Das war im übrigen wohl die dümmste Frage ever!) Der Rezeptionist dachte ich spinne, schickte seinen Assistenten in die Küche der den Koch brachte. Das Ende vom Lied: sogar die Fleischesser beneideten mich um mein Gericht und der Koch kam persönlich an den Tisch und vergewisserte sich, dass bei mir alles in Ordnung ist. Geht doch!!!
    Ansonsten hatte ich (bis suf in Japan) bisher noch keine Probleme.
    Lg Miriam

    • Hallo Miriam,
      “Aber was essen Sie denn dann?”… die Frage kenne ich zur Genüge. Wobei “Kohl” in dem Satz echt noch mal eins draufsetzt. Ich hätte wohl zwischen Lachen und Heulen geschwankt. Freut mich, dass deine Erfahrung im Fleischland Namibia dennoch so positiv war.
      Was hast du denn in Japan erlebt? Alles mit Fleisch/Fisch?
      VG von Christine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.