Jordanien: Rundreise mit dem Mietwagen

Der Besuch der verlassenen Felsenstadt Petra in Jordanien und einmal vor dem Schatzhaus des Pharaos Khazne al-Firaun zu stehen, stand schon lange auf unserer Bucket List. Mit Jordanien als Reiseziel hatten wir uns bis dato noch nicht beschäftigt und deshalb überlegten wir, wie wir den Besuch von Petra in einen Urlaub packen können. Eine Kreuzfahrt durch den Orient mit einem Stopp in Aqaba schien uns dabei wenig attraktiv, da uns die sonstigen Reiseziele nicht besonders ansprachen. Warum also nicht einen Roadtrip durch das Land planen und neben Petra auch das restliche Land bereisen? Geht das denn überhaupt, zu zweit mit dem Mietwagen durch Jordanien zu fahren? Wie sicher ist Jordanien angesichts der Lage im Nahen Osten? Und welche Sehenswürdigkeiten bietet das Land noch, um einen ganzen Urlaub zu füllen? All diese Fragen stellten wir uns während unserer Recherche über das Haschemitische Königreich. Wir wälzten einen Reiseführer, stöberten auf Reiseblogs, lasen Wikipedia-Artikel und spickten bei Reiseveranstaltern rein.

Jordanische Flagge

Jordanische Flagge

Reiseplanung

Die Planung der Reise erfolgte dann letztlich wie immer in Eigenregie. Jordanien ist nicht besonders groß und die Liste der zu besuchenden Städte und Sehenswürdigkeiten mit entsprechender Reiseroute schnell gefüllt. Auch die Vorfreude durch die eigene Buchung wollten wir uns nicht nehmen lassen. Herausgekommen ist dabei ein abwechslungsreicher und intensiver zweiwöchiger Urlaub, der uns nachhaltig beeindruckte.

Urlaub

Urlaub

Um einige der o.g. Fragen vorab zu beantworten: Jordanien ist zwar umgeben von Ländern voller Unruhe, Krieg und Terror, aber das Land selbst ist ein sehr sicheres Reiseziel, das sich wunderbar für einen Roadtrip eignet. Jordanien leidet unter den Vorurteilen, dass der Nahe Osten komplett nicht mehr zu bereisen ist und die Touristen bleiben entsprechend aus. Doch wir haben uns zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Im Gegenteil, die Jordanier sind ein sehr freundliches Volk, stets wurden wir mit einem Lächeln und einem “Welcome” auf den Lippen begrüßt. Im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern wird man hier aber auch nicht ständig bedrängt oder Bakschisch erwartet. Ware oder Dienstleistung wird angeboten, nach einem freundlichen “Nein Danke” wird man aber auch nicht weiter belästigt, sondern in Ruhe gelassen. Das lässt entspanntes Reisen und Angucken zu und hat uns gut gefallen. Mit Englisch kommt man überall gut weiter und wenn z.B. in einem Geschäft kein Englisch gesprochen wird, wurde jemand gerufen, der weiterhelfen konnte. Die Jordanier freuen sich aber auch sehr, wenn man die grundlegenden Floskeln in ihrer Sprache beherrscht. Ein “Salem Aleikum” (Grußform), “Shukran” (Danke) oder beim Handeln im Souk (arabischer Markt) “khaddäsch” (Wieviel kostet das?) und “ghâli” (Zu teuer!) öffnet die Türen zu diesem freundlichen Volk.

Sparen mit dem Jordan Pass

Mit dem Jordan Pass spart man übrigens eine Menge Geld. Der Pass beinhaltet nicht nur die Kosten für das Visum zum Einreisen in Höhe von 40 Jordanischen Dinar (JD, ca. 50 €), sondern auch den Eintrittspreis für viele weitere Attraktionen, welche durch das Ministerium für Tourismus und Antiquitäten verwaltet wird. Der Preis für den Pass ist gestaffelt nach Eintrittstagen für die Hauptattraktion des Landes: Petra. Die Ticketpreise in Petra haben es in sich (1 Tag 50 JD, 2 Tage 55 JD, 3 Tage 60 JD), der Jordan Pass kostet entsprechend 70, 75 oder 80 JD. Zählt man die Kosten für das Visum zu den Eintrittspreisen in Petra dazu, hat sich der Pass schon gerechnet. Zzgl. zu den vielen anderen Eintrittsgeldern haben wir insgesamt über 40 JD pro Person gespart. Vor Ort an den Ticketschaltern sind jeweils der Reisepass sowie ein Ausdruck des Jordan Pass vorzulegen – manchmal gibt es dann einen Stempel auf den Ausdruck, manchmal auch nicht. An kleineren Sehenswürdigkeiten wurden wir auch einfach durchgewunken, sobald wir mit dem Zettel wedelten.

Unterwegs mit dem Mietwagen

Autofahren ist in Jordanien grundsätzlich kein Problem. Das Land hat den gewohnten kontinentaleuropäischen Rechtsverkehr und die Verkehrsdichte außerhalb der großen Städte ist gering. Unser Flieger sollte mitten in der Nacht landen und der Queen-Alia-Flughafen liegt ca. 30 Autominuten südlich von Amman. Den ersten Tag wollten wir sowieso in der Stadt verbringen, also sah unsere Reiseplanung vor, das Fahrzeug in der Stadt und nicht direkt am Flughafen zu übernehmen. So vermieden wir es, im Dunkeln und ohne Navigation die jordanischen Straßenverhältnisse kennenzulernen.

Unser Mietwagen: Mitsubishi Lancer EX mit Monsterspoiler

Unser Mietwagen: Mitsubishi Lancer EX mit Monsterspoiler

Die Übergabe erfolgte allerdings in der Stadt, und so blieben wir auch nicht davon verschont, uns mit dem extrem dichten Verkehr der Hauptstadt auseinanderzusetzen. Die Hupe ist das Wichtigste! Jeder hupt und das irgendwie ständig, es fügt dem Autofahren eine akustische Orientierung hinzu. Und die ist auch bitter nötig – zweispurige Straßen werden drei- bis vierspurig, überholt wird links und rechts, an Ampeln stehen alle irgendwie kreuz und quer. Da macht es Sinn, auch mal zu hören, von wo der nächste kommt.

Eine weitere Schwierigkeit sind Fahrten in der Nacht. Der Reiseführer rät davon ab, nicht aus Gründen der Kriminalität, sondern eher wegen der allgemeinen Verkehrssicherheit. Mehrfach waren wir gezwungen, auch im Dunkeln unterwegs zu sein. Die Gefahren entlang der Landstraßen sind streunende Hunde, freilaufende Nutztiere wie Ziegen und Schafe und langsame, schlecht beleuchtete Fahrzeuge. So mancher fährt mit defekten Lichtern und die Straßen sind kurvig und ohne Leitpfosten – häufig ohne Markierung. Das nächtliche Fahren erfordert die volle Konzentration – der Bleifuß bleibt am besten daheim. Ist man nicht gerade entlang der Hauptrouten wie dem Desert Highway (Highway 15) unterwegs, können wir auch nur empfehlen, Fahrten in der Nacht zu vermeiden. Es verringert den Stresslevel ungemein.

Gefährt

Gefährt

Tanken ist mit ca. 1 € je Liter relativ günstig, aber es gibt Landesteile, in denen Tankstellen etwas rarer vorhanden sind. Wir haben versucht, nicht deutlich unter “halbvoll” zu kommen und rechtzeitig nachzutanken. Neben einem ausreichenden Wasservorrat war es das, worauf wir am meisten geachtet haben. An der Tankstelle fährt man vor die Zapfsäule, teilt dem Tankwart die gewünschte Menge mit und zahlt in der Regel auch direkt beim Tankwart. Wie bei uns gibt es Supermärkte an den Tankstellen, die auch nicht das deutsche Preisniveau haben.

Alles im allem genossen wir – wieder einmal – die Freiheit, die uns der eigene Wagen beim Reisen liefert. So können wir unserem eigenen Zeitplan folgen und spontan auf Tipps reagieren, die es manchmal unterwegs von Einheimischen und anderen Reisenden gibt.

Für die Navigation haben wir uns voll und ganz auf die Karten-App für iOS von Google und dessen Routenführung verlassen. Das hat in ganz Jordanien ziemlich gut funktioniert. Die iOS-Karten-App von Apple hatte irgendwie komplett den Dienst verweigert. Wir haben auf Reisen mit dem Mietwagen immer einen kleinen USB-Anschluss für den Zigarettenanzünder dabei, damit geht dem Handy während der Fahrt nicht unvermittelt der Saft aus. Eine Powerbank mit einer Kapazität von mindestens 5.000 mAh tut es im Zweifel auch.

Online unterwegs

Zum Navigieren, nach Geocaches suchen, das Restaurant an der Ecke bei Tripadvisor checken, die Lieben daheim mit Fotos bei Facebook, Twitter und Instagram versorgen… um auch unterwegs mit dem Smartphone online zu sein, besorgten wir uns direkt am ersten Tag in Amman eine SIM-Karte des örtlichen Mobilphone Anbieters Orange. Für ca. 12 JD bekamen wir 5 GB Datenvolumen, dies reichte mehr als aus für unsere Reise. Der Empfang war im ganzen Land – bis auf Wadi Rum – sehr gut. SIM-Karten werden in jedem Mobilshop angeboten, aufgeladen werden können sie auch wieder dort.

Die Route

Stationen unserer Jordanien-Mietwagen-Rundreise

Stationen unserer Jordanien-Mietwagen-Rundreise

Karte: OpenStreetMap.org

Wir starteten unsere Reise mit dem Flug von Frankfurt (FRA) nach Amman (AMM) zum Queen-Alia-Flughafen. Die ersten drei Nächte verbrachten wir in Amman, mit Ausflügen in die Stadt und zur antiken Stadt Jerash. Von dort aus ging es weiter für zwei Nächte nach Madaba. In Reichweite finden sich hier das Tote Meer und der biblische Berg Nebo – auch das christlich dominierte Madaba hat ein paar Sehenswürdigkeiten. Von hier aus starteten wir eine lange Tour hin zu einigen Wüstenschlössern in der Wüste östlich von Amman, dann Richtung Süden mit Stopp in Kerak, weiter nach Dana zum Wandern. Nach nur einer Nacht im Dana Village erwartete uns für drei Nächte Wadi Musa (Petra). Der vorletzte Stopp war eine Nacht in der Wüste des Wadi Rum, ehe wir mit drei letzten Übernachtungen in Tala Bay am Roten Meer bei Aqaba die Reise entspannt ausklingen ließen. An einem Nachmittag ging es zurück zum Flughafen und mit einem weiteren Nachtflug wieder nach Hause.

Geocaching in Jordanien

Ein Blick auf die Karte bei Geocaching.com verriet, dass uns in Jordanien keine Fülle an Geocaches erwarten würden. Eine Handvoll Dosen in Amman und nicht viel mehr an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, von denen einige nicht gut gepflegt oder schon länger nicht mehr gefunden wurden, sprich wahrscheinlich nicht mehr da sind. Dennoch haben wir wie so oft einige tolle Erlebnisse durchs Geocaching gehabt. In Petra erklommen wir extra eine schöne Aussichtsstelle, die wir ganz für uns alleine hatten und beim Loggen genießen durften. In Wadi Rum fixten wir unseren Guide mit unserem Hobby an, der uns beim Suchen half und sich auch fleißig ins Logbuch eintrug. Und nicht zuletzt gab es auch einige, mehr oder weniger, gute Earthcaches zu beantworten. Alles in allem stand das Geocaching auf dieser Reise nicht im Vordergrund, versüßte diese aber wie so oft.

Geocaching in Jordanien

Geocaching in Jordanien

Zu guter Letzt möchten wir noch auf Reiseblogs hinweisen, die uns auch zu dieser Reise inspiriert und den ein oder anderen wertvollen Tipp gegeben haben. Vielen Dank an We2ontour, Edeltrips und Travelography.


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12 Kommentare:

  1. Hey ihr zwei,

    da habt ihr mit zwei Wochen ja ordentlich Zeit gehabt, das Land zu entdecken.
    Bin schon gespannt auf eure Reiseberichte aus dem Süden des Landes! Die bisherigen Eindrücke, die ihr mitgebracht habt, sind ja schon mal sehr spannend. Auch, die Panne in Amman – irgendwie habe ich das Gefühl, dass sowas zu einer Jordanien Reise dazugehört. Bekannte von mir, die auch dort unten waren im letzten Jahr, berichteten ebenfalls von Chaos am Flughafen. Vielen Dank auch für die Verlinkung hier im Beitrag 🙂

    Viele Grüße
    Christian

    • Hallo Christian,
      die Pannen bei der Ankunft in Amman waren schon schräg – und dann auch noch mitten in der Nacht, aber das konnte unseren Spaß am Urlaub zum Glück nicht trüben. Ansonsten lief bei uns alles glatt. Die weiteren Artikel sind natürlich in der Mache und sollten nicht mehr lange dauern 🙂
      Viele Grüße
      Ronny

  2. Petra hat es mir auch angetan und damit natürlich das Reiseland Jordanien. Ich hätte nicht gedacht, daß es sich so gut für einen selbstorganisierten Roadtrip eignet. Danke für diesen informativen Artikel, der erstmal tatsächlich alle grundlegenden Fragen beantwortet.

    • Hallo Silke,
      wir freuen uns, dass du auf unseren Blog gefunden hast. Es war eigentlich alles recht unkompliziert. Die Hotels haben wir fast alle über die üblichen Hotelportale gebucht, das Auto online und vor Ort gab es auch keine Probleme. Petra war wirklich einzigartig und beeindruckend. Wir haben dort zwei Tage (3 Nächte) verbracht, um es ausgiebig geniessen zu können. Falls du noch weitere Fragen zu einem Jordanien-Trip hast melde dich einfach :).
      Viele Grüße
      Ronny

  3. Toller Artikel! Wusste gar nicht, dass man in Jordanien so easy per Mietwagen reisen kann. Perfekt für uns als Roadtrip-Fans. Und die Fotos sind auch mega inspirierend, da müssen wir uns wohl bald mal ein Zeitfenster freischaufeln für Jordanien 🙂

    • Vielen Dank für den Kommentar. Und ja, das Zeitfenster solltet ihr euch unbedingt freischaufeln. Jordanien ist ein tolles Reiseziel und bestens für einen Roadtrip geeignet.
      Grüße von Christine

  4. Hey, hey ihr beiden,

    Jordanien ist auch mal ein schönes, abwechslungsreiches Reiseland. Mein Vater wollte da immer mal hin – ich selbst habe mich noch nicht so sehr mit dem Land befasst, finde euren Beitrag aber sehr, sehr spannend. Ich werde es jetzt definitiv auf meine Bucket-List setzen 🙂 Vielen Dank für den tollen, informativen Beitrag.

    Schöne Grüße,

    Christin

    • Hallo Christin,
      Jordanien ist wirklich sehr abwechslungsreich. Das hatten wir vor unserer Planung und letztlich vor der Reise selbst auch nicht so auf dem Schirm. Petra sagt den meisten noch was, dann hört es aber auch schon auf. Dabei hat das Land so viel mehr zu bieten. Wir legen daher jedem eine Reise dorthin ans Herz. 🙂
      Grüße von Christine

  5. Ich kann die Schilderungen von Jordanien nur von ganzem Herzen bestätigen. Ich war Anfang Oktober im Rahmen einer Studienreise dort und habe die genannten Orte bis auf Wadi Rum und Aqaba ebenfalls besucht. Jordanien ist ein wirklich schönes Land (wenn man vom dem ganzen Plastiktütendreck absieht) mit sehr freundlichen Menschen. Auch ich habe mich durchgängig sehr sicher gefühlt und würde jederzeit wieder dorthin reisen.

    • Es freut uns, dass du die gleichen Erfahrungen in Jordanien gemacht hast. Wir sind auch nicht müde, jedem der es hören will (und allen anderen auch 😉 ) von dem Land vorzuschwärmen, damit vielleicht wieder mehr Menschen diese schönen Erlebnisse machen.

  6. Ein richtig informativer Artikel, v.a. für alle, die noch am Anfang der Reiseplanung stehen bzw. unsicher sind, ob Jordanien ein geeignetes Reiseziel ist!
    Uns wurde nun endgültig die Unsicherheit bezüglich Sicherheitsbedenken und Sprachbarriere genommen und Jordanien hat es auf unsere Liste geschafft. 🙂

    • Vielen Dank. Jordanien ist wirklich ein tolles Reiseziel und bestens geeignet für einen Roadtrip. Ein paar Artikel zur Anregung kommen auch noch. ?

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