Kusadasi, Ephesus und wie wir in eine Touristenfalle tappten

Kusadasi steuerten wir nach unserer allerersten Kreuzfahrt im Mittelmeer 2011 zum zweiten Mal an. Neben einem erneuten Besuch der Ausgrabungen von Ephesus landeten wir aber prompt in einer nervigen Touristenfalle. Doch der Reihe nach…

Besuch in Ephesus

Ein Ausflug nach Ephesus mit einem der vielen Taxis, die am Hafen auf die Passagiere warten, kostet 60,- € und die Fahrt von Kusadasi nach Ephesus dauert ca. 30 Minuten. Der Taxifahrer entlässt die Kundschaft am südlichen Eingang des historischen Geländes und bestimmt die Uhrzeit, wann er zur Abholung dort wieder bereitsteht. Dabei bleibt kaum Verhandlungsspielraum und viel zu wenig Zeit vor Ort.

Gang durch Ephesus - Obere Agora

Gang durch Ephesus – Obere Agora

So lief es zumindest bei unserem letzten Besuch in Kusadasi und Ephesus ab. Daher hatten wir uns dieses Mal entschieden, eines der anderen Angebote zum Besuch der Ausgrabungsstätte im Terminal zu buchen und mit einer geführten Tour für 20,- € p.P. durch Ephesus zu gehen. Ein kleiner Stopp für Essen und Erfrischungen an einem lokalen Markt sollte inklusive sein, ebenso die Fahrt zum House of the Virgin Mary (Haus der Mutter Maria), eine kleine Kapelle, die von Pilgern als mögliches Sterbehaus Marias, der Mutter Jesu, angesehen wird.

Säulenkapitell in Ephesus

Säulenkapitell in Ephesus

Nach etwas Wartezeit, bis der Anbieter den Minibus voll mit Kreuzfahrern bekommen hatte, wurden wir zum kleinen Reisebus gebracht. Die Fahrzeit verkürzte uns der Tourguide, der angeblich in Italien Archäologie studiert hat und auf den Namen Kemal hörte, mit dem Vortrag über den Ablauf der Tour und einer kurzen historischen Abhandlung über Aufstieg und Fall der Stadt Ephesus.

Kuretenstraße

Kuretenstraße

Ephesus galt in der Antike als eine der größten und wichtigsten Handelsstädte. Damals lag die Stadt noch am Meer, heute allerdings hat sich die Küstenlinie aufgrund von klimatischen und seismischen Veränderungen westwärts verschoben. Selbstverständlich informiert darüber ein Earthcache GC5R1M8 | Ephesus harbour: Where has all the water gone?, der in mehreren Stationen über das Gelände führt. Außerdem gehört Ephesus zum UNESCO-Weltkulturerbe und bietet eine Vielzahl an bekannten Ausgrabungen. Der Tempel der Artemis zählt sogar zu den sieben Weltwundern der Antike (von denen wir mittlerweile 3 Stätten besuchen konnten) und die Celsusbibliothek ist eines der bekanntesten Postkartenmotive in der Türkei. Es gibt viele hervorragend erhaltene Ausgrabungen, u.a. das Große Amphitheater, antike Toilettenanlagen, Tempel und Verkaufshäuser.

Odeion

Odeion

Die Anlage kann entweder vom südlichen oder nördlichen Eingang betreten werden und kostet 14,- € Eintritt. Nach der halbstündigen Fahrt erreichten wir den südlichen Parkplatz der Ausgrabungsstätte. Die nächsten Toiletten oder Verkaufsstellen, sobald man die Drehkreuze passiert hat, befinden sich erst wieder am nördlichen Eingang. Es empfiehlt sich daher, die Toiletten vor dem Einlass aufzusuchen und sich mit ausreichend Wasser einzudecken. Die Sonne brutzelt hier im Sommer gnadenlos und ohne Wasser ist es kaum auszuhalten.

Die berühmte Celsusbibliothek

Die berühmte Celsusbibliothek

Vor 5 Jahren hatten wir uns mit Hilfe eines “Programmheftes” und den Hinweisschildern über das Gelände bewegt. Doch diesmal hatten wir ja einen Reiseleiter dabei. Kemal hatte einige interessante Geschichten zu erzählen und so erfuhren wir uns bis dahin unbekannte Fakten und Anekdoten während unseres zweiten Besuchs. Dennoch blieb auch ein wenig Zeit, um nach links und rechts abzudriften und ausreichend Fotos zu schießen. Gut fanden wir auch, dass uns der Bus am nördlichen Zugang abholte und wir nicht den ganzen Weg wieder zurücklaufen mussten.

Touristenfalle

Doch nach der Rückkehr in den Bus – die Abfahrt verspätete sich aufgrund einiger Souvenirjäger in der Gruppe  – erfolgte das blanke Entsetzen. Der “Erfrischungsstopp am Markt” entpuppte sich als Fahrt zu einer lokalen Lederwarenfabrik, dessen Besuch für genappte Touristen wie uns bis ins kleinste Detail ausgetüftelt war. Wir wurden in einen Verkaufsraum gescheucht, erhielten einen türkischen Apfeltee und waren einer zeitfressenden und langweiligen Modenschau von Lederartikeln ausgeliefert. Wir haben uns wie in einem schlechten Film gefühlt, während die Models mit wilden Verrenkungen und verschiedenen Lederklamotten über den Laufsteg wedelten. Nun mag sich der aufmerksame Leser denken, dass wir damit hätten rechnen müssen, aufgrund des fast schon lächerlich günstigen Ausflugspreises.
Uns war schon klar, dass neben dem Markt, den wir zum Lunch anfahren sollten, zufällig der “Cousin” des Fahrers seinen Teppichwarenstand oder ähnliches betreibt und uns Ware anpreisen würde. Das hätten wir akzeptiert und dafür eine ordentliche Pause in Kauf genommen. Aber eine solch dreiste, unangekündigte Veranstaltung, mitten in der türkischen Pampa, aus der so gut wie kein Entkommen war, nicht.

Nach der Modenschau mit Dampf, Disko und Lichteffekten verdrückten wir uns flink zusammen mit einigen anderen aus dem Verkaufsraum und warteten auf das Ende der Chose. Als der restliche Trupp endlich nachkam, kletterten wir schon entnervt in den Reisebus, um unseren nächsten Stopp, die Kapelle der Mutter Maria, anzusteuern. Diese interessierte uns nicht sonderlich, wir wollten eigentlich nur ein paar Fotos von außen machen und ein Döschen in der Nähe heben.
Doch nun folgte auch schon der nächste Knaller: alle, die im Bus saßen, waren gezwungen, auch die Kapelle zu besichtigen und den für uns überteuerten Eintrittspreis von 11,- € p.P. sofort zu entrichten. Andernfalls sollte man eben dort in der Pampa warten, bis der Bus zurückkam. Die Gruppe teilte sich in zwei Lager, einige hatten den Ausflug extra wegen beider Stätte gebucht und so blieb uns nichts anderes übrig, als in der staubigen Gegend an der Straße auf die Rückkehr des Busses zu warten. Wir waren stinkesauer, denn aus der halben Stunde wurden anderthalb Stunden und der Plan, ein Taxi anzuhalten und mit anderen Gästen zurück zum Hafen zu fahren, ging nicht auf. So hätten wir 60,- € zahlen sollen (aha, der gleiche Preis, wie der komplette Ausflug via Taxi) und das sahen wir nicht ein – Wucher!
Mit einer Ausrede auf den Lippen fuhr der Bus zusammen mit Kemal und dem Rest der illustren Reisegesellschaft eine kleine Ewigkeit später wieder vor, sammelte uns verlorene Schäfchen ein und fuhr nach Kusadasi zurück. Hier sind wir ganz schön in die Touristenfalle getappt, aber Rache ist süß: der Reiseleiter versäumte es, den Ticketpreis für Ephesus einzusammeln. Wir dachten bei der Performance auch gar nicht daran, ihn zu erinnern. So sparten wir uns immerhin diesen Betrag. Wir hätten ihn gerne bezahlt für die Leistung, die uns vorab versprochen wurde.

Die Krönung

Zum Abschluss wurde uns in der Fußgängerzone auch noch das Heben des Caches GC5XW28 | Orkide madig gemacht. Der Cache sollte sich in einem Café befinden, wir sprachen die Bedienung an, die laut Listing hilfreich zur Seite stehen sollte. Doch das Mütterchen rieb sich schon die Hände und wollte uns die im Laden versteckte Dose nur gegen die Bestellung eines Kaffees oder Softdrinks überreichen. Damit hatten wir endgültig die Schnauze voll von Dreistigkeiten, loggten erbost einen DNF und marschierten schnurstracks zum Schiff zurück. Mittlerweile ist der Geocache archiviert, da dies ziemlich eindeutig gegen die Guidelines verstößt.

Die Ausgrabungsstätte von Ephesus mit ihrer imposanten Bibliothek, dem Amphitheater und den Terrassenhäusern ist absolut einen Besuch wert. Sollten wir aber noch einmal in die Verlegenheit kommen, in Kusadasi halten zu müssen, freuen wir uns schon auf einen entspannten Tag an Bord, denn Kusadasi selbst hatte für uns wenig zu bieten. Doch nun sind wir wieder um eine Geschichte sowie etwas an Erfahrung reicher und das macht Reisen doch aus, oder?!


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2 Kommentare:

  1. Hallo Thomas!
    Ja, die Preise sind echt happig. Und die Touristen bezahlen diese scheinbar ohne mit der Wimper zu zucken.
    Wir haben den Ausflug bei einem lokalen Anbieter direkt im Terminal am Hafen gebucht. Bei der Buchung war leider nicht die Rede von einem “Mode-Shopping”, wir hätten den Ausflug sonst nicht mitgemacht.
    Viele Grüße von Christine von Cache’n’Travel

  2. Die Taxifahrer verlangen am Hafen jetzt 60€? Lustig – sie versuchen es auch immer wieder.

    Eine halbe Stunde mit dem Taxi kostet nichtmal in Istanbul mehr als 10€.

    Abgesehen davon: Wo hast du den Ausflug gebucht? Auf dem Schiff, Online oder am Hafen?

    Die Online Anbieter schreiben “Mode-Shopping” inzwischen in die Beschreibung dazu. Die Reiseveranstalter haben aus den verärgerten Kunden auch gelernt (zumindest die meisten).

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