Mosaikstadt Madaba, Berg Nebo und das Tote Meer

Am Morgen verließen wir Amman, um zur zweiten Station unserer Rundreise aufzubrechen. Als Ausgangspunkt für biblische Besichtigungen und einen Trip zum Toten Meer, hatten wir uns für 2 Nächte in der Mosaikstadt Madaba eingebucht. Die Fahrt von der Hauptstadt aus dauerte nur etwas mehr als eine halbe Stunde, gefühlt waren wir bereits in Madaba angekommen, als wir uns gerade erst aus den südlichen Außenbezirken von Amman gehupt hatten.

Unterwegs in Jordanien

Unterwegs in Jordanien

Wir folgten einfach der R35, dem Kings Highway, ein Stückchen Richtung Süden und fuhren entlang einer Allee in das 70.000-Einwohner-Städtchen ein. Madaba ist damit wesentlich überschaubarer als Amman, dabei wurde die Stadt erst im 19. Jahrhundert durch Christen wieder besiedelt, nachdem sie aufgrund eines Erdbebens im Jahr 746 viele Jahrhunderte lang vergessen war. Die Stadt ist bis heute deutlich christlich geprägt. Davon zeugen nicht nur die Kirchen, sondern auch der etwas lockerere Umgang mit Alkohol, der, im Gegensatz zu Amman, in den Lokalen, Hotels und in Liquorstores angeboten wird.

Ankunft in Madaba

Die beiden Hauptattraktionen in Madaba sind auch zwei Kirchen, nämlich die griechisch-orthodoxe St.-Georgs-Kirche und die römisch-katholische Apostelkirche Johannes der Täufer auf der höchsten Erhebung der Stadt. Madaba ist ebenso bekannt für seine Mosaike und so befindet sich die berühmte Mosaikkarte von Madaba in der St. Georgs-Kirche. Diese uralte Karte stellt das Heilige Land dar und soll ursprünglich aus über 2 Millionen Tessera (kleine Steinchen) bestanden haben. Der Beiname Mosaikstadt ist also durchaus angebracht – und auch unser Hotel schmückte sich mit diesem Namen.

Madaba

Madaba

Das Mosaic City Hotel liegt etwas abseits des Kings Highway, aber in fußläufiger Entfernung zum überschaubaren Stadtzentrum. Es gibt um die Ecke einen hoteleigenen Parkplatz, der einem Hinterhof ähnlicher ist, aber seinen Zweck erfüllt. Auch wenn die Städte und Straßen von außen immer irgendwie schäbig, staubig und dreckig wirken, waren alle Unterkünfte, und so auch das Mosaic-City-Hotel, picobello sauber. Das Zimmer ist geräumig, mit einem bequemen Bett ausgestattet und mit der Klimaanlage hat man auch in heißeren Nächten nichts auszustehen. Nur beim Zähneputzen mit Leitungswasser hatten wir so unsere Bedenken. In einigen Reiseführer wird empfohlen, das Wasser nicht in den Mund zu nehmen – wir haben sicherheitshalber mit abgefülltem Wasser gespült.

Direkt gegenüber des Hotels befindet sich eine tolle Bäckerei, mit vielen herzhaften und süßen arabischen Köstlichkeiten, zu unglaublich günstigen Preisen. Wir haben uns mit leckeren Snacks für die Tagesfahrten und ein abendliches Betthupferl im Hotel eingedeckt. Das Fladenbrot kam auch hier mit einem Förderband aus dem Keller gefahren und wurde direkt in kleine Plastiktüten verpackt. Es herrschte reger Betrieb, denn das Grundnahrungsmittel wird in großen Stückzahlen hinausgetragen – ein bisschen blöd kamen wir uns vor, als wir gerade einmal 6 Stück bestellten – unter 20 Fladenbrote je Tüte geht hier normalerweise niemand raus.

Auf Moses Spuren

Berg Nebo mit Moses-Gedächtnis-Kirche

Berg Nebo mit Moses-Gedächtnis-Kirche

Der Tag war noch jung und so begaben wir uns auf biblische Pfade. Der Name Al-Quds-Street zeugt davon, dass wir hier mittendrin sind, im Heiligen Land. Al-quds ist die transkribierte arabische Bezeichnung für Jerusalem, das sich in kaum 40 Kilometer Luftlinie gen Westen befindet. Wir folgten also besagter Al-Quds-Street, die in nordwestlicher Richtung zum Berg Nebo führt. Dort, so steht es in der Bibel, sah Mose zum ersten Mal das Gelobte Land Kanaan und starb ebenda, nachdem er sein Volk aus Ägypten geführt hat. Unsere Anreise war etwas bequemer, denn die Straße führt direkt zum Parkplatz der an diesem Ort errichteten Kirche. Der Jordan Pass hat hier keine Gültigkeit und so entrichteten wir am Tor den Eintritt von 1 JD und nahmen den verbleibenden Weg zur just wieder eröffneten Moses-Gedächtnis-Kirche des Franziskaner Ordens. Nach neunjähriger Restauration ist diese Kirche tatsächlich nur wenige Tage vor unserer Ankunft wieder für Besucher geöffnet worden – welch ein Glück, von göttlicher Fügung wäre hier aber zu viel gesprochen ;).

Die Besucher und Mitglieder der zahlreichen Pilgergruppen erwarten in dem modern, aber zurückhaltend und geschmackvoll gestalteten, heiligen Ort kunstvolle Mosaike aus verschiedenen Epochen. Wir passierten die Stele, welche zu Ehren des Besuchs von Papst Johannes Paul II. aufgestellt wurde, und vor uns eröffnete sich der biblische Ausblick über das Jordantal bis hinüber nach Jericho. An einer Aussichtsplattform posierten die Touristen vor der Ehernen Schlange, einer Skulptur ähnlich dem Äskulap-Stab, welche als Symbol für Mose gilt.

Wir und die Eherne Schlange

Wir und die Eherne Schlange

Der Ausblick über das Jordantal ist toll. Links sieht man das nördliche Ufer des Toten Meeres, man erahnt Jericho und schaut in das grüne Tal inmitten karger Landschaft, gespeist durch den Fluss Jordan. Wir machten einen kleinen Rundgang durch die wiedereröffnete Kirche und bewunderten die konservierten Mosaike mit Ornamenten oder Jagdszenen. Ebenso statteten wir dem kleinen Museum einen Besuch ab. Ein wenig befremdlich war der Anblick eines Franziskaner Mönchs in Kutte, der lässig auf einer Bank saß und mit seinem Smartphone spielte – ein interessantes Bild.

Stadt der Mosaike

Den verbleibenden Tag nutzten wir für die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Madaba. Das Fahrzeug parkten wir am Hotel und gingen zu Fuß zur St.-Georgs-Kirche. Auch hier war ein Eintritt von 1 JD pro Person (der Jordan Pass gilt nicht) nötig, damit wir die Mosaikkarte von Madaba besichtigten konnten. Im 6. Jahrhundert ist es vermutlich entstanden – Erdbeben, Ikonoklasmus, Verfall und das Überbauen mit einer neuen Kirche setzten der antiken Karte stark zu. Jetzt ist sie konserviert und kann zwischen den Bankreihen und dem Altar der Kirche besichtigt werden. Teppiche werden zum Schutz bei Gottesdiensten darüber ausgerollt. Heute ist sie einer der ältesten vorhandenen Darstellungen des Heiliges Landes. Zu erkennen sind Jerusalem, Bethlehem und Jericho, der Fluss Jordan, das Tote Meer und viele weitere historische Städte.

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Die Mosaikkarte von Madaba

Durch die Gassen von Madaba ziehend machten wir einen Abstecher zum Archäologischen Park mit dem Burnt Palace (Eintritt von 3 JD ist im Jordan Pass enthalten), dem niedergebrannten Palast. Es sind nur noch die Grundmauern und ein paar Mosaike übrig von diesem ehemaligen römischen Herrenhaus. Nicht weit davon können die Reste und Bodenmosaike einer Kathedrale besichtigt werden – auch hier haben Ikonoklasten verschiedenster Epochen gewütet und die figürlichen Darstellungen von Menschen und Tieren in den Mosaiken zerstört.

Als letzte Station wartete die Apostelkirche am höchsten Punkt der Stadt. Der Weg dorthin lohnt sich sehr. Die Kirche selbst ist nicht sonderlich spektakulär, allerdings kann man hier in die Kellergewölbe hinabsteigen, wo eine Krypta und die alten Fundamente des Vorgängerbaus erkundet werden können – sogar ein Beduinenzelt wurde hier unten aufgeschlagen. Es ist sehr verwinkelt und ein bisschen abenteuerlich. Als weiteres Highlight konnten wir den Glockenturm erklimmen. Der Aufstieg über die Wendeltreppen und Stiegen ist eng und steil, aber die Aussicht zur Abendstunde über Madaba ist die Akrobatik wert. Mehrmals kamen wir dabei an den Seilen für die Glocken vorbei – die Versuchung ist schon groß, einmal daran zu ziehen ;).

Ausblick über Madaba

Ausblick über Madaba

Schwerelos im Toten Meer

Etwas Entspannung erwartete uns am nächsten Tag im Mövenick Resort & Spa Dead Sea. Für Tagesgäste gibt es einen Besucherparkplatz außerhalb des Geländes, der Eintritt in Höhe von 45 JD wird direkt an der Schranke bezahlt und dem Tagesbesucher anschließend Zutritt zum Resort gewährt. Von dem Preis werden 22 JD für den Eintritt verrechnet, dafür kann die schöne Anlage inkl. Pools, Liegen, Restaurants etc. und der hoteleigene Zugang zum Toten Meer genutzt werden. Die restlichen 23 JD werden für Essen & Getränke oder Angebote im Spa verrechnet.

Entspannung pur

Entspannung pur

Wir belagerten 2 Liegestühle mit unserem Krempel und erkundeten erst einmal die große Anlage des Hotels. Neben mehreren Pools – einer davon ist für Erwachsene vorbehalten, andere sind mit Rutschen für die Kleinen ausgestattet – gibt es viele Ruheinseln mit Liegen und Sonnenschirmen zum Entspannen und Relaxen. Es ist wenig los und wir genießen die Ruhe und die Sonne und ziehen einige Bahnen im Pool, genießen kühle Getränke und einen leckeren Lunch im Poolrestaurant. Der Weg zum Strand führt über mehrere, terrassenförmig angelegte Bereiche. Ein Golfcart bringt die fußfaulen Gäste bis zur Treppe, ab dort muss jeder den Abstieg zum Toten Meer (420 m unter NN) selbst bewältigen.
Es ist heiß und die Sonne brutzelt gnadenlos, kein schattenspendender Baum weit und breit, der Strandabschnitt ist so karg wie der Name des Sees es vermuten lässt. Überall liegen Steine, übersät mit Salzablagerungen, die sehr scharf sein können. Das Tragen von Wasserschuhen ist deshalb zu empfehlen.

Steine am Ufer - Wasserschuhe sind empfehlenswert

Steine am Ufer – Wasserschuhe sind empfehlenswert

Der erste Gang in das schlierige Nass war echt ein bisschen merkwürdig. Der Lifeguard empfiehlt, sich einfach nach hinten zu setzen, dann treiben die Beine automatisch nach oben und schon schwebt man im Wasser. Wir konnten es vor unserem Besuch kaum glauben, aber es funktioniert wirklich. Die Beine und Arme sind oberhalb der Wasseroberfläche, der Körper gleitet fast schwerelos durch das Wasser. Normales schwimmen ist nicht möglich, um zum Strand zurückzukommen, muss man ordentlich mit den Armen rudern.

Natürlich wollten wir auch das obligatorische Foto schießen, mit der Zeitung in der Hand. Floaten klappte schon sehr gut, nur hatten wir keine Zeitung dabei und den Kindle wollten wir nicht dem salzigen Nass aussetzen. Zum Glück hatte ein Paar aus Köln eine Ausgabe des heimischen Anzeigers dabei und lieh uns das Blatt für unser Foto.

Schwerelos, schon ein bisschen irre

Schwerelos, schon ein bisschen irre

Für den zweiten Gang schmierten wir uns vorher gründlich mit der in Gefäßen bereit gestellten Heilerde ein. Diese trocknet an der Haut schnell an, wird beim Bad im Wasser abgespült und es verbleibt babyzarte Haut. Nach dem Bad unbedingt gründlich duschen, Süßwasserduschen stehen dafür am Strand bereit. Länger als 15 Minuten sollte ein Bad im Toten Meer nicht dauern und mit offenen Wunden oder frisch rasiert sollte man auch nicht baden gehen, das brennt ordentlich.

Geocaching unter NN

Ein Tagesausflug ans Tote Meer ist aus unserer Sicht völlig ausreichend. Für Geocacher bietet die Gegend einige Caches und wir haben auf dem Weg an einigen Dosen gehalten. Der erste Halt war am Dead Sea Panorama Complex, der mit einem Eintrittspreis von 2 JD pro Person (der Jordan Pass gilt nicht) ein Museum mit vielen Informationen rund um das Tote Meer und ein Restaurant mit Aussicht bietet. Für den gleichnamigen Cache GC2Q5BH | Dead Sea panorama complex führt der Zugang über den Zara Cliff Walk. Der Weg ist mit ca. 15 Minuten pro Strecke mit festem Schuhwerk gut zu bewältigen. Belohnt wurden wir mit einer spektakulären Aussicht über das Jordan Rift Valley und einer mittelgroßen Dose, die sogar einen Trackable beherbergte.

Geocache in Jordanien

Geocache in Jordanien

Kurz bevor die großen Resorts eins neben dem anderen die Gäste beherbergen, konnten wir den Cache GC55JRJ | Final Arrival finden. Der Platz selbst ist nicht besonders toll und auch ordentlich vermüllt, wie leider viele Plätze in Jordanien. Aber der Cache lag nun mal auf dem Weg und wir wollten doch gerne eine zweistellige Fundzahl mit nach Hause nehmen ;).
Für die geologisch Interessierten bietet der Earthcache GC5DPA0 | Halite ooids at the shore of the Dead Sea viele Informationen über die Besonderheiten des Toten Meeres.
Und wenn ein Cache mit dem Titel GC1EHNZ | Lowest Cache on Earth wirbt, können wir uns das natürlich nicht entgehen lassen. Den Platz hoch oben über der serpentinenartigen Straße, die zum Toten Meer führt, erreichten wir kurz nach Sonnenuntergang und zusammen mit dem Stativ entstanden ein paar tolle Nachtfotos.

Nacht über dem Toten Meer

Nacht über dem Toten Meer


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2 Kommentare:

  1. Wir sind letzten Samstag aus Jordanien und Israel zurück gekommen und genau so war das da – toller Bericht und schöne Fotos!

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