Südafrika Rundreise – Panorama Route

Nach den letzten Kilometern über den Long Tom Pass von Lydenburg nach Sabie hatten wir schon einen ersten beindruckenden Einblick in die Landschaft dieses Landes bekommen. Karge Weiten wechselten mit Nadelwäldern ab und langsam hatten wir auch keine Probleme mehr mit dem Left-Hand-Traffic. Irgendwann versucht man nicht mehr im fünften Gang anzufahren, wenn man die Kiste nur oft genug abgewürgt hat. Zu allem Überfluss waren auch noch Blinker und Scheibenwischen vertauscht… auch daran gewöhnt man sich.

Long Tom Pass

Long Tom Pass

Sabie, Mpumalanga

Irgendwann hieß es dann endlich Willkommen in Sabie in Mpumalanga: sprich emm-pumalanga. Sabie ist ein kleines Städtchen an der Panorama Route und hier bezogen wir auch unsere erste Unterkunft dieser Reise: Villa Ticino – ein von dem schweiz-deutschen Paar Felix und Ute betriebenes Gästehaus.

Villa Ticino

Villa Ticino

Der Empfang war sehr herzlich und Felix hat mit seiner entspannten Art “kommt erstmal an, später planen wir eure Touren, um die Koffer kümmern wir uns schon” sofort für Erleichterung gesorgt. Das war auch bitter nötig, nach dem Kofferdebakel und dem schlaflosen Flug. Direkt gegenüber vom Gästehaus ist der Supermarkt und wir deckten uns mit dem Notwendigen für die tägliche Toilette ein. Noch am selben Abend lernten wir einen Begleiter für die gesamte Südafrika-Reise kennen: Sedgwick’s Old Brown, genannt O.B.’s. Ein milder Sherry, der uns bereits auf dem Zimmer erwartete und noch einige Abende mit uns verbringen würde.
Den ersten Tag ließen wir kulinarisch bei einem exzellenten Steak direkt nebenan ausklingen. Nach einer Reservierung durch Felix war der Tisch gesichert und es erwartete uns bereits das Team des The Wild Fig Tree Restaurant. Köstlich – mehr können wir kaum schreiben und es wurde eine Entscheidung getroffen: Hier gibt’s ab heute öfter Steak.

Safety First

Nach der Rückkehr gab es allerdings noch eine Ansage, die wir auf unserer Tour durch Südafrika so oder so ähnlich noch öfter hören würden. Das Auto ist leer zu räumen, nichts Sichtbares hat herum zu liegen und die Türen des mit Stacheldraht bewehrten Zaunes sind stets geschlossen zu halten. Was davon notwendig oder übertrieben ist, können wir auch nach dem Ende der drei Wochen nicht bewerten. Wir sind mit den Sicherheitshinweisen der jeweils Ortsansässigen gut gefahren und konnten einen unbeschwerten Urlaub genießen. Es gab bei uns niemals das Gefühl, in eine brenzlige Situation gekommen zu sein.

Wasserfälle und unvergessliche Aussichten

Wir hatten zuvor schon ein wenig Recherche über die sehenswerten Orte an der Panorama Route betrieben, aber nichts schlägt die Erfahrung eines Ortskundigen. Felix hatte Wort gehalten und gemeinsam mit uns an einer Karte unseren ersten richtigen Tag in Südafrika geplant.

Lone Creek Falls

Lone Creek Falls

Gestärkt von einem ausgiebigen Frühstück mit leckerer Eispeise ging es auf ins Abenteuer. Schon direkt am Ortsausgang von Sabie bogen wir links ab auf eine staubige Schotterpiste hin zum ersten Wasserfall des Tages. Die Straße endete in einem Parkplatz und kaum geparkt, kam der freundliche Parkplatzwärter und kassierte 10 Rand, so 70 Eurocent, für Eintritt und Parken. Ein Adler empfing uns mit seinem Schrei in der Schlucht des Lone Creek Fall und wir bahnten uns den Weg zum Wasserbecken. Neben der Aussicht auf den 68 m hohen Wasserfall gibt es auch einen passenden Earthcache, der Fragen zur Beschaffenheit der Abbruchkante und deren Faltung stellte. Das war damit unser erster (virtueller) Find südlich des Äquators… aber natürlich musste schnell eine richtige Dose her!

Nebenan gibt es einen weiteren Wasserfall, die Bridal Veil Falls oder ein Stückchen weiter die Mac Mac Falls and Pools, die wir aber auf Anraten von Felix nicht besichtigt haben. Nicht, dass sie nicht sehenswert wären, aber es gibt einfach zuviel zu entdecken. Unser Weg führte durch Graskop, einer weiteren Kleinstadt, in der man wunderbar üben kann, an südafrikanischen Stoppschildern anzuhalten. Wer nicht stehen bleibt oder die Markierung überrollt, darf mit einem kleinen Beitrag zum städtischen Haushalt rechnen. Man fährt ganz gut damit, das Spiel so zu spielen: Wer zuerst steht, darf zuerst weiterfahren – also wie das amerikanische first come, first served an 4-way-stop Straßen. Man lernt das recht schnell.
Hinter Graskop geht es rechts ab und vorbei am Pinnacle Rock, einer Felsnadel, und dann ist es nicht mehr weit zum God’s Window.

To God's Window

To God’s Window

Hier hat man einen wirklich atemberaubenden Blick auf das Lowveld, der Tiefebene mit dem Kruger Nationalpark. An der Abbruchkante geht es 700 m in die Tiefe und die Wolken werfen kleine Runde Schatten in der Ferne – als würde Gott auf seine Schöpfung schauen. Der Name Panorama Route verspricht also nicht zuviel. Empfehlenswert ist auch der Pfad durch den Regenwald, in dem exotische Blüten und an dessen Ende weitere Aussichten warten. Ein Stück weiter ist die Aussicht Wonderview zu finden, diese fanden wir aber nicht so spektakulär – es nahte ausserdem ein Reisebus und so nahmen wir schnell Reißaus.

Als weitere Wasserfälle, ehe wir weiter Richtung Norden fuhren, besuchten wir die Lisbon Falls und die Berlin Falls und langsam wurde es auch Zeit für den ersten (physischen) Cache in Südafrika! An einer kleinen Brücke wurden wir fündig: GC47RRV | Bridge 2943-1972! Nicht aufregend, aber was hat das in diesem Moment schon für eine Bedeutung?! Südafrika ist rot – oder neuerdings grün.

Noch weiter nördlich erwartete uns das Highlight des Tages, der Canyon am Zusammenfluss von Blyde und Truer River. Hier sind durch Jahrtausend währende Kräfte kesselartige Löcher am Grund der Schlucht entstanden – die Bourke’s Luck Potholes. Gold wurde hier wohl auch mal gefunden. Wir fanden stattdessen tolle Fotomotive in dem bizarr geformten Canyon und auch deutlich mehr Touristen als an den anderen Stellen entlang der Panorama Route.

Mancher übertreibt's!

Mancher übertreibt’s!

Von hier ist es auch nicht mehr weit zu den Three Rondavels, eine Felsformation, welche an traditionelle Rundhütten erinnert – und erneut eine tolle Aussicht auf den Blyde River Canyon und das dahinter liegende Lowveld. Unweit der Aussichtsplattform, nicht weit von der Abbruchkante, gibt es einen Tradi GC19QVQ | Three Rondavels zu finden. Wir waren auch nicht die einzigen Cacher, denn ein Paar aus Deutschland war ebenfalls auf der Suche, ihrerseits auf Rundreise durch Botsuana, Zimbabwe und Südafrika. Nach einem kurzen Plausch und gemeinsamer Bewunderung der grandiosen Landschaften ging wieder jeder seiner Wege.

Zurück mit roter Fahne

Es ging schon gegen 17:00 Uhr und wir hatten noch die Aussicht Lowveld View auf der Liste – leider interessierte das die Damen vor Ort wenig und sie schlossen lächelnd, aber bestimmt das Tor zum Parkplatz – das war um 16:45 Uhr. Zeiten werden in Südafrika anscheinend etwas flexibel ausgelegt. This is Africa! Verpasst haben wir aber nicht viel, wie wir anschließend erfuhren.

Schotterpiste

Schotterpiste

In der Tourenplanung kam nun der abenteuerliche Teil an die Reihe – die Rückfahrt über die Schotterpiste ohne Halt vorbei an Pilgrim’s Rest. Auch wenn unser Toyota Corolla Sedan kein ausgesprochener Offroader war, kamen wir hier und auch auf allen anderen “Gravel Roads” problemlos voran. Mit dem Geklacker der Steine unter und einer roten Staubfahne hinter uns ging es bei höchstens 50 km/h über die Piste – 80 km/h sind hier erlaubt – aber wir waren noch ein bisschen vorsichtig. Ein Spaß war es trotzdem, auch wenn es langsam dunkel wurde. Wobei, in Südafrika wird es für europäische Verhältnisse früh, und vor allem schnell dunkel. Das sollte bei der Tourenplanung auf jeden Fall berücksichtigt werden.

Den Abend haben wir diesmal gegenüber der Villa Ticino im The Woodsman bei Straußensteaks und Bier verbracht. Es fehlte eigentlich nur noch eins zum perfekten Urlaub: unsere Koffer! Aber auch an diesem Tag hatten wir kein Glück, auch wenn sich Felix sehr ins Zeug gelegt hat, kam von den Hotline-Mitarbeitern kaum mehr als ein “Schulterzucken”.

Durch Höhlen und Felsen

Am Folgetag ging es entlang der R37 Richtung Süden – das Ziel waren die Sudwala Caves. Nach der 40 minütigen Fahrt waren wir bereits vor Ort und auch wenn diese Höhle zur Besichtigung nicht sehr überlaufen ist, kam schnell eine Gruppe von ca. zehn Leuten zusammen. Geologisch betrachtet ist die gesamte Region bis zu 3 Milliarden Jahre alt und auch dieses Höhlensystem gehört mit 240 Millionen Jahren, lt. Wikipedia, zu einem der ältesten der Welt. In der Höhle gibt es neben Tropfsteinformationen auch Fledermäuse zu sehen, die in Schwärmen an den Decken hängen.

Sudwala Höhle

Sudwala Höhle

Noch weiter südlich befindet sich die kleine Siedlung Kaapsehoop. Hier startet ein kleiner Wanderpfad durch ein bizarres Feld von Felsen und eine Herde von Wildpferden. Die Sonne schien bereits unerbittlich und unsere Sonnenhüte waren leider im Koffer, der immer noch nicht angekommen war. Wir machten uns also auf die Suche nach einer Kopfbedeckung in der Ortschaft. Die Häuser im Kolonialstil waren zwar alle bewohnt, aber irgendwie wirkte alles sehr verschlafen. Ein kleiner antiker Laden erregte unsere Neugier und wir traten ein und brachten unser Anliegen bei der Besitzerin vor. Durch eine kleine Wendeltreppe gingen wir in die erste Etage und hier war ein wahrer Fundus an… komischen Sachen. Ein schicker weißer Hut, mit breiter Krempe und lila Streifen schmückte fortan Christines Haupt. So gewappnet machten wir uns auf den Weg durch das Felsenmeer – einige Caches, sowie ein Earthcache trieben die Statistik nach oben – wären wir den Wanderpfad bis zum Ende gegangen, hätte es wieder eine tolle Aussicht auf das Lowveld gegeben. Aber das haben wir irgendwie versäumt.

Auf dem Plan standen noch der Botanische Garten in Mbombela (ehemals Nelspruit) – im Übrigen alles Empfehlungen von Felix. Doch als wir davor geparkt hatten, erreichte uns die Nachricht, dass ein Koffer (ja, nur EINER) angekommen sei. Die Batterien der Kamera würden nicht ewig halten und Ronny wartete bereits sehnlichst auf das Ladegerät. So machten wir uns auf den Weg zurück nach Sabie.


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