Suite-Life auf der Vision of the Seas

Unsere Kreuzfahrt durch die Adria und Ägäis 2016 hatten wir nach den Häfen ausgesucht, das Schiff war für uns eher zweitrangig. Was zählte war die Route: Die Ausfahrt aus Venedig, sowie Dubrovnik, die Perle der Adria und die griechische Insel Santorin sollten auf jeden Fall dazu gehören. Beim Reisezeitraum waren wir festgelegt und so blieb nach kurzer Recherche eigentlich nur noch eine Tour übrig: mit der Vision of the Seas von Royal Caribbean durchs Mittelmeer.

Vision of the Seas

Vision of the Seas

Zu einem guten Preis ergatterten wir eine Garantiekabine der Kategorie Balkon. Ein wenig Glücksspiel ist bei der Buchung einer Garantiekabine immer dabei, da die konkrete Kabine erst mit der Ausstellung der Reiseunterlagen zugeteilt wird. Wenn die Lage oder das Deck nicht so wichtig sind, kann so einiges an Geld gespart werden, denn diese Art der Buchung ist deutlich günstiger und es gibt sie auch für Innen- und Außenkabinen. Uns war die Lage und das Deck für diese Reise nicht wichtig, denn wir hatten nicht geplant, uns allzu häufig auf der Kabine aufzuhalten. Dass alles anders kommen sollte, wussten wir zum Buchungszeitpunkt noch nicht.

Die Upgradefairy lebt

Bereits kurz nach der Buchung wurde uns die Kabine zugeteilt: Eine Kabine auf Deck 7, oben drüber und darunter ebenfalls Kabinen und keine Bar oder Disco in der Nähe, relativ mittig gelegen und damit kurze Weg nach überall hin… wir waren zufrieden.
Kurz vor der Reise wollten wir unsere Reiseunterlagen zusammenstellen und die Kofferanhänger ausdrucken. Die geänderte Kabinennummer machte stutzig: eine 8er Nummer und überhaupt, stand dort nicht mehr “Balkonkabine” sondern *TADA*: “Grand Suite”! Kurze Aufregung und Hektik folgte, Christine checkte sofort den Deckplan und siehe da, wir waren kostenfrei upgegradet worden. Ein Anruf beim Reisebüro machte unserer Ungläubigkeit ein Ende: kein Fehler. Grand Suite!

Liegen

Liegen

Warum wurden gerade wir mit einem Upgrade bedacht? Wir haben keine Ahnung. Wir waren zwar bereits häufiger mit Royal Caribbean unterwegs und sind Mitglieder im Loyalty-Programm “Crown&Anchor Society”, aber dort sind wir eher kleine Lichter mit dem Status Emerald. Irgendeine Maschine muss wohl “Eene-Meene-Muh” gespielt haben und uns hat es erwischt… wir beschweren uns nicht, aber Tipps können wir daher leider auch nicht geben, wie man am besten an ein Upgrade kommt.

Die Einschiffung

In Venedig am Cruiseterminal waren wir etwas früh dran und konnten uns noch 30 Minuten lang die Zeit vertreiben, bis der Check-in uns erwartete. Ab jetzt erfuhren wir, welche Annehmlichkeiten Suitegäste an Bord von Royal Caribbean genießen dürfen. Selbstverständlich gibt es eine separate Warteschlange – wir waren sowieso die ersten, aber was macht das schon. Unsere goldenen Bordkarten – ja, hastewaskannste – bekamen wir mit einem freundlichen Lächeln ausgehändigt und durften als allererste Gäste überhaupt das Schiff betreten.

Alle an Bord!

Alle an Bord!

Der Concierge

Den für die Suitegäste zuständigen Concierge Mangesh aka MJ lernten wir direkt nach Ankunft an Bord kennen. Wir wollten noch ein paar Stunden zurück in die Stadt, bevor das Schiff ablegen sollte, hatten aber eine Menge Handgepäck dabei. Das Handgepäck wollten wir nicht durch Venedig schleppen und suchten nach einer Möglichkeit, das Geraffel irgendwo unterzustellen. Die Kabine sollte erst gegen 13 Uhr zur Verfügung stehen und so lange wollten wir nicht warten. Am Gästeservice wollte konnte man uns leider nicht helfen, also machten wir uns kurzerhand auf den Weg zur Concierge-Lounge. Diese steht exklusiv den Suitegästen rund um die Uhr zur Verfügung. Wie erhofft, nahm uns MJ wie selbstverständlich unser Handgepäck ab, verstaute es und versicherte uns, dass es in die Kabine gebracht und dort auf uns warten wird.

Concierge Lounge

Concierge Lounge

MJ – immer mit einem Lächeln auf den Lippen, immer diskret am Telefon, effizient und effektiv im Klären von kleinen und großen Wehwehchen der Gäste, immer mit Handschlag und Vornamen begrüßend, ist er der beste Mann auf der Vision of the Seas. Wir sind ja eher so die Typen “Machen wir selbst, kriegen wir hin”. Aber MJ regelt alles. Und das deutlich schneller, als ein normaler Gast es je könnte: Reservierungen von Tischen oder das Buchen von Sportkursen, Bügelservice oder Infos zum kommenden Landgang. Eine kleine Frage hier, eine Klärung dort. Er schrieb es in sein Büchlein und es dauerte nicht lange und wir hatten eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter oder eine Notiz im Zimmer. An diese Annehmlichkeit haben wir uns schnell gewöhnt und auch mehr als einmal genutzt.

Getränke

Getränke

Sein Reich ist die bereits oben erwähnte Concierge-Lounge. Für die Gäste steht hier rund um die Uhr eine Kaffeemaschine und Tee zur Verfügung, häufig auch kleine Snacks sowie Obst. Ab 17:00 Uhr gibt es ein Minibuffet und die Gäste können ohne weitere Kosten alle möglichen Getränke bestellen. Softdrinks, Cocktails, Long Drinks … alles kein Problem. Sogar ausgefallene Getränkewünsche wurden erfüllt. Hugo scheiterte, am nicht vorhandenen Holundersirup. Kurzerhand wurde der Prosecco mit Minzsirup versüßt und mit einem Schuss Chambord Likör verfeinert – das Ganze hatte von nun an den Namen “The German” und war Christines Aperitif für die verbleibende Reise. Die Concierge-Lounge sah uns öfter, fast jeden Abend kehrten wir um 17:00 Uhr hier ein um bei Häppchen und einem Aperitif den Abend vor dem Dinner einzuläuten.

Die Suite

Kommen wir nun zum Wichtigsten – der Kabine Nummero 8514. Unser Zimmerchen für die nächsten 7 Nächte hat sogar einen Namen: Corsica Suite. Beim Eintreten öffneten sich uns 33 helle Quadratmeter. Das ist so gut wie doppelt so groß im Vergleich zu einer regulären Balkonkabine. Die Suite teilt sich in einen Wohn- und Schlafbereich auf. Ein großes Doppelbett kann mit einem Vorhang vom Wohnzimmer mit großer Couch und zwei Sesseln samt Tisch, abgetrennt werden. Für langweilige Cruisetage 😉 hält die Kabine einen Bildschirm samt Playstation vor. Eine große Theke mit zwei geräumigen und verspiegelten Kleiderschränken gibt es auch noch. Das Bad verdient diese Bezeichnung sogar und ist groß genug, sich darin bequem zu zweit aufzuhalten. Toilette, zwei Waschbecken und wie sich das für eine anständige Suite gehört: Badewanne statt Dusche.

Eine Fensterfläche von geschätzten 5 Metern Breite lässt viel Licht in die Hütte und zusammen mit den Spiegeln an Schrank und Bett wirkte alles noch größer. Der Balkon ist natürlich ebenfalls größer als bei einer gewöhnlichen Balkonkabine und erstreckt sich über die gesamte Breite. Hier draußen gibt es zwei Liegestühle zum Faulenzen und ein Sitzbereich mit Tisch und Stühlen für ein Frühstück mit Meerblick.

Grand Suite: Balkon

Grand Suite: Balkon

The Suite Perks – Annehmlichkeiten an Bord

Keine Ahnung, wie oft MJ oder auch Diana, unsere Stateroom Attendance (das Zimmermädchen) mit dem Satz anfingen: “As a Suite-Guest you have the privilege…”. Gemeint waren die Vorteile und Annehmlichkeiten, die Suite-Gäste gegenüber den anderen Gästen an Bord haben. Irgendwie muss ja auch der in der Regel mindestens doppelte, meistens aber drei- oder viermal so hohe Preis gerechtfertigt werden.

Erklärungen auf der Brückentour

Erklärungen auf der Brückentour

Fangen wir an mit den kleinen Dingen und lassen den Concierge-Service sowie die kostenlosen Getränke und Speisen in der Concierge-Lounge einmal außen vor: Bügelservice für die Galanacht, Zugang zu einem separaten Sonnendeck, eine Tour über die Schiffsbrücke, Lunch Einladung mit den Schiffsoffizieren, spezielle Sitzplätze im Theater für die abendlichen Entertainment Shows, frühe Tendertickets, Zimmerservice mit kompletter Speisekarte für alle Mahlzeiten, Bademäntel in der Kabine, Toilettenartikel im Bad… sicher haben wir hier etwas vergessen.

Frühstück mit Meerblick in Giovanni's Table

Frühstück mit Meerblick in Giovanni’s Table

Ein Highlight war auf jeden Fall die Möglichkeit, abseits des Trubels im Buffetrestaurant, im Giovanni’s Table zu frühstücken. Dies ist am Abend ein kostenpflichtiges Restaurant mit mediterraner Küche – am Morgen durften wir dort bei einem kleinen, aber reichlichen Buffet zusammen mit den anderen Suitegästen frühstücken. Natürlich braucht hier auch niemand auf das Sektfrühstück oder besondere Wünsche bei der Eispeise oder Kaffeespezialitäten verzichten. Egg Benedikt? Soja Latte? Kein Problem!
Auch die Tatsache, an den langen Warteschlangen vorbei gelotst zu werden und das erste Tenderboot ohne Ticket nach Santorin zu nutzen, war für unsere Tagesplanung Gold wert.

Tisch im Restaurant

Tisch im Restaurant

Interessant wurde es, als wir ohne Concierce-Service nach einer veränderten Tischzeit für das Dinner fragten. “Nein, tut uns leid, das ist nicht möglich, wir sind ausgebucht.” Nachdem wir MJ unser Problem geschildert hatten, erhielten wir kurze Zeit später die Nachricht, dass der Tisch zur gewünschten Zeit reserviert war.
Ebenfalls waren wir am ersten Abend von der lahmen Bedienung im Restaurant genervt, die zudem die vorab gebuchten Sonderwünsche aufgrund von Christines Nahrungsunverträglichkeit verbaselte. Hier brachte eine Intervention bei MJ am nächsten Tag einen schöner gelegenen Tisch und eine flotte Bedienung, die uns die (Sonder-)Wünsche von den Augen ablas. Da wundert man sich, was alles geht, wenn man als normaler Gast Absagen auf seine Anfragen erhält.

Unser Fazit

Jetzt haben wir natürlich Blut geleckt und bei jeder Cruise werden wir wohl an die vielen Annehmlichkeiten der Reise mit der Vision of the Seas denken. Ja, es war toll und deutlich entspannter – weniger Stress beim Frühstück, vorm Landgang, vorm Abendessen, man umgeht einfach galant die Probleme, die man als normaler Gast in Stoßzeiten hat. Der Concierge-Service als Ansprechpartner für alle kleinen und großen Nöte ist besser und effizienter, als es die Rezeption oder Guest Relation je war. Die ganze Reise fühlte sich einfach anders an – etwas abgehoben vielleicht.
Ist das den enormen Aufpreis wert? Für uns ehrlich gesagt nicht – im Alltag haben wir diesen Luxus nicht und kommen auch ohne ihn im Urlaub sehr gut klar. Aber wir freuen uns, einmal rein geschnuppert zu haben, in das süße Suite-Life und werden das Erlebnis in guter Erinnerung behalten.

Die Brücke

Die Brücke


<< Zurück zur Übersicht | Abfahrt aus Venedig >>

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.