Von den Wüstenschlössern zur Kreuzfahrerburg

Die Wüstenschlösser östlich von Amman und die riesige Kreuzfahrerfestung Kerak waren die Stationen eines Roadtrips von Madaba zum Dana Nature Reserve. 420 Kilometer Wüstenhighways und kurvige Landstraßen hatten wir an diesem Tag zu bewältigen, ehe wir am Abend im Dana Tower Hotel einchecken konnten.

Ab in die Wüste

Der Morgen begann mit einem letzten Frühstück im Mosaic City Hotel. An das arabische Frühstück hatten wir uns längst gewöhnt und sogar Gefallen daran gefunden. Es gab säuerliches Fladenbrot und Humus, die typische Kichererbsenpaste. Auch Labneh, ein Frischkäse aus Joghurt mit Olivenöl und Zatar, vertrug sich bestens mit unseren Geschmackszellen – dazu gab es Ei und frisches Gemüse wie Gurken, Tomaten oder Paprika. Brot abreißen und in Humus oder Labneh dippen, Zatar drüber streuen – lecker. Zudem waren wir noch gut erholt von einem entspannenden Tag am Toten Meer, und nach dem Auschecken verluden wir unser Sack und Pack in unseren Mietwagen.

Wüstenhighway

Wüstenhighway

Wir verließen Madaba in nordöstlicher Richtung über den Kings Highway und weiter auf den Al-Azraq-Highway 40. Es sollte ein langer Tag für uns werden. Die Schilder wiesen den Weg Richtung Irak und Saudi-Arabien und da wir ein Weilchen durch die Wüste fahren würden, haben wir sicherheitshalber den Tank gefüllt und uns mit ausreichend Wasser und Snacks versorgt.

Der Al-Azraq-Highway 40 ist gut ausgebaut und führt durch die flache Geröllwüste östlich von Amman. Regelmäßig wurden wir von rasenden Autos mit saudi-arabischen Kennzeichen überholt, denn viele Saudis machen in Jordanien Urlaub oder gehen sonstigen Geschäften nach. Unser Mietwagen rollte auf der ansonsten wenig befahrenen Straße Richtung Osten dahin und nach vielen Kilometern erreichten wir das erste Wüstenschloss: Qasr Kharana.

Wüstenschlösser

Wir parkten unseren Wagen am kleinen Besucherzentrum und kaum öffneten wir die Türen, wurden wir schon neugierig ausgefragt… “Where are you from?”… “Germany”. Wir bekamen ein Lächeln und ein fröhliches “Welcome to Jordan”.

Wüstenschloss Qasr Kharana

Wüstenschloss Qasr Kharana

Unseren Jordan-Pass wollte hier noch keiner sehen. Stattdessen bekamen wir den Hinweis, dass dieser beim nächsten Wüstenschloss abgestempelt würde. Gut, wer soweit fährt, fährt wohl noch die paar Kilometer zum nächsten Schloss. Wobei “Schloss” vielleicht ein bisschen übertrieben ist… Schlösschen trifft es eher und es hat mit der deutschen Bedeutung des Wortes wenig gemein. Im Grunde ist es ein kleines Kastell, das sich freistehend aus dem vegetationslosen Wüstenboden über die Landschaft erhebt. Zwei, drei andere Besucher waren gerade in und um die Burg unterwegs – wir hatten diese gut erhaltene Ruine aus dem 8. Jahrhundert also so gut wie für uns alleine.

Durchschreitet man das hohe Tor an der Südwand gelangt man in einen offenen Innenhof. Wir besichtigten die dunklen Räume und Ställe des ersten und zweiten Stocks – die kleinen Fenster lassen nur wenig Licht herein und verglichen mit der Hitze außen, herrscht innen ein kühles, leicht muffiges Klima. Es muss wohl eine besondere Wohltat gewesen sein, nach einem stunden- oder tagelangen Ritt auf dem Kamelrücken durch die gleißende Sonne hier mit der Karawane zu rasten und etwas Schatten zu bekommen.

Wir traten zurück in die Sonne und setzten unsere Fahrt weiter nach Osten fort. Ebenfalls am Highway 40 findet sich ein paar Kilometer weiter das Qusair Amra, der kleine Palast von Amra. Einen tiefen Brunnen, eine Empfangshalle mit Fresken aus dem 8. Jahrhundert und ein Badehaus beherbergt das UNESCO Weltkulturerbe. Dieses kleine Wüstenschlösschen ist in seiner Art komplett verschieden vom Qasr Kharana und eine Assoziation mit den Siedlungen auf dem Star-Wars-Wüstenplaneten Tatooine können wir uns nicht verkneifen.
Erst einmal jedoch klärten wir die Formalien am Besucherzentrum. Auf dem Parkplatz ist ein Beduinenzelt aufgebaut. Dort werden Souvenirs und Tee verkauft – ein einsamer Polizist stempelte sorgfältig unseren Jordan-Pass und wir durften den mit Steinen markierten Weg passieren.

Qusair 'Amra

Qusair Amra

Den Brunnen erblickten wir zuerst. Ein Loch, circa 1,5 Meter Durchmesser: schwarz, dunkel und tief. Wir ließen einen kleinen Stein hereinfallen und lauschten… 1..2..3 Sekunden bis es leise platschte – 25 Meter ist er bestimmt tief. Die Kamera hielten wir mal besser fest. Hier hatten wir das Gelände ganz für uns alleine, keine anderen Besucher weit und breit. Die Tür wirkte verschlossen, aber mit einem kräftigen Ruck bekamen wir Einlass in die mit bunten Fresken geschmückte Empfangshalle.

Auch wenn die Wandbilder schon sehr mitgenommen wirken, sind die Farben und Zeichnungen von Jagdszenen und barbusigen Frauen gut zu erkennen. Wir machten noch einen Abstecher zum ehemaligen Badebereich und verließen mit einem letzten bewundernden Blick auf die Malereien den Innenraum, umrundeten noch einmal das Gebäude und traten den Rückweg zum Auto an.

Noch zwei… mit Geocaches

Nun schlug wieder die Stunde der Geocacher in uns. Bis Qusair Amra hatten wir an diesem Tag noch keinen Fund verbuchen können, nirgends befand sich eine Dose. Doch die Festung Al-Azraq in der gleichnamigen Oasenstadt, noch weitere 25 Kilometer östlich, lockte mit dem Tradi GC2NQBM | Azraq castle. Wir hatten noch einen weiten Weg vor uns… aber der Ehrgeiz trieb uns an und so nahmen wir die 50 Kilometer Umweg für einen weiteren Geocache in Kauf! Wir passierten die Militärposten entlang der Airbase Al-Azraq (die Kamera bleibt hier besser stecken!) und trafen an der Festungsruine ein.

Festung Al-Azraq

Eingang zur Festung Al-Azraq

Wieder wurden wir freundlich empfangen. Soweit östlich verirren sich immer weniger Touristen, trotzdem lehnten wir das zuvorkommend vorgetragene Angebot einer Führung durch die Ruine dankend ab. Zeugen können wir schließlich nicht gebrauchen!
Die vergleichsweise große Festung wurde aus schwarzem Basaltgestein errichtet und bot schon dem legendären Lawrence von Arabien Schutz. Sogar die Eingangstür ist aus Stein und wir wurden von einer kleinen Gruppe Tee trinkender Männer aufgefordert die Türplatte zu schließen, um den Mechanismus zu testen: die Tür war zwar mächtig, konnte allerdings mit leichter Anstrengung tatsächlich geschlossen werden. Eine beeindruckende Ingenieurskunst, die sich die Araber von den Römern abgeschaut haben sollen.

Im Innenhof leitete uns das GPS direkt in die hintere Ecke mit mehreren Torbögen. Nach kurzer Suche konnten wir das Döschen finden und unseren Stempel ins Logbuch drücken – toll! Wir drehten noch eine Runde durch den Innenhof und machten uns flink auf die Socken, denn schließlich hatten wir noch einiges vor an diesem Tag.

Qasr Qatranah

Qasr Qatranah

Wenige Augenblicke später hatte uns der Wüstenhighway wieder, diesmal allerdings in westlicher Richtung. Die Strecke hin zum Desert Highway 15 zog sich ein bisschen. Dort fuhren wir Richtung Süden bis… ja, bis uns ein Geocache erneut halten ließ. Diesmal direkt an einem weiteren Wüstenschloss, das wir gar nicht auf der Liste hatten: Qasr Qatranah. Allerdings ist diese kleine Festung aus dem 16. Jahrhundert und gehörte zu einem System von Forts entlang einer alten Pilgerroute. Natürlich ließen wir uns den PETling GC218GP | Qatraneh Castle und eine kleine Besichtigung nicht entgehen, aber ohne Geocache wären wir wohl vorbeigerauscht.

Gefunden!

Gefunden!

Kreuzfahrerburg Kerak

Direkt nach Al-Qatranah verließen wir den Highway auf eine Landstraße Richtung Kerak. Dort steht seit dem 11. Jahrhundert eine von den Kreuzfahrern errichtete Hochburg. Die mächtige Burg ist schon von Weitem zu sehen und liegt auf einem Berg, von dem aus man einen tollen Blick auf die Täler ringsum hat. Unser Mietwagen quälte sich die kleinen engen Gassen der Stadt Kerak hinauf zur Burg und wir parkten praktisch direkt davor. Ein bisschen knapp waren wir schon dran, aber ein wenig Zeit für die Besichtigung blieb noch.

Kreuzfahrerfestung Kerak

Kreuzfahrerfestung Kerak

Schnurstracks steuerten wir die Cachelocation von GC3V819 | Karak castle an der östlichen Außenmauer an. Hier mit Panaromablick nach Osten konnten wir das nächste Döschen loggen. Dann bummelten wir noch wenig über die zwar teilweise renovierte, aber doch stark beschädigte Burg. Einige Löcher, die in die unteren Stockwerke führen, sind nicht gesichert und auch in den dunklen Treppen, Gängen und Räumen unterhalb der Oberfläche kann man sich schnell aus den Augen verlieren. Der westliche Teil hingegen ist gut renoviert – wir bestiegen die mächtigen Außenmauern und genossen die warme Abendsonne, sowie die Aussicht auf die umliegenden Täler.

Die Sonne senkte sich bereits und wir hatten noch knapp 90 Kilometer Fahrt über jordanische Landstraßen vor uns. Unser Nachtlager erwartete uns im Dana Village, eine Ankunft im Hellen war aber nicht mehr drin und so folgten wir erneut dem Kings Highway zum Dana Nature Reserve. Heilfroh waren wir, als wir kurz vorm Ziel das Schild zum Dana Village sahen. Was für ein Ritt… bis die Sonne verschwand fuhren wir durch beeindruckende Gebirgslandschaften, aber als es dunkel wurde war der Spaß natürlich vorbei. Irgendwie kamen wir unterwegs vom Highway ab und unsere Navigation leitete uns über schmale Landwege – und das im Stockdunkeln. Pünktlich zum Abendessen erreichten wir das Dana Tower Hotel und freuten uns auf die wohlverdiente Nachtruhe… aber dazu mehr im nächsten Artikel.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang


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Kommentar in eigener Sache: Dieser Artikel lag bereits seit Mitte Dezember so gut wie fertig in der Schublade. Allerdings haben wir gezögert ihn zu veröffentlichen. Am 18.12.2016 gab es in der Kreuzfahrerfestung Kerak einen Terroranschlag mit 9 Toten (Zeit Online, Spiegel Online). Die Nachricht hat uns sehr geschockt – auch weil wir uns, wie wir immer schreiben, in diesem Land sehr sicher und freundlich willkommen gefühlt haben. Unsere Erlebnisse und Erinnerungen bleiben natürlich wie sie waren. Trotzdem relativiert es sich, Jordanien als “sicher” zu bezeichnen. Wir haben uns nun gefragt, ob wir diesen Bericht überhaupt veröffentlichen sollen. Ja, das sollen wir: erstens ist es ein Reisebericht, und so haben wir es erlebt. Zweitens sind hoffentlich trotzdem Reisende an Jordanien, der Geschichte und den Sehenswürdigkeiten dort interessiert und drittens: wo kommen wir hin, uns von Terrorakten ausübenden Mörderbanden implizit diktieren zu lassen, worüber wir schreiben?!
Wir gedenken der Opfer und hoffen, dass Jordanien seine Stabilität in dieser instabilen Weltregion behaupten kann.

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