Wadi Rum, eine Nacht in der Wüste

Ein Ausflug in die Wüste von Wadi Rum war der vorletzte Stopp unserer Jordanien-Reise von der Hauptstadt Amman zur Hafenstadt Aqaba. Um etwas mehr in das Wüstenleben der Beduinen einzutauchen, verbrachten wir eine Nacht im 1.000-Sterne Camp von Khaled. Der Kontakt vorab verlief freundlich und zuverlässig per Mail und so buchten wir eine der angebotenen zweitägigen Jeep and Hiking Touren.

Straße in die Wüste

Straße in die Wüste

Wer zu früh kommt…

Von Petra nach Wadi Rum ist es nicht weit: den Kings Highway weiter nach Süden bis auf den Desert Highway und dann links. Am Gate angekommen versuchten uns einige geschäftstüchtige Beduinen sofort ihre Touren zu verkaufen. Wer ohne vorab geplante Tour hier ankommt, hat also gute Chancen spontan eine der Tagesfahrten zu erwerben. Der Eintrittspreis für das Gebiet in Höhe von 5 JD ist hier zu entrichten (im Jordan Pass inkl.). Mit der Erwähnung, dass wir eine Übernachtung und Tour bereits vorab gebucht hatten, ließ man uns anstandslos passieren.

Willkommen in Wadi Rum

Willkommen in Wadi Rum

Vom Gate zum Treffpunkt in Rum Village ist es nur ein Katzensprung. Hier wird das Auto für den Aufenthalt in Wadi Rum abgestellt, denn es ist nicht möglich, eine Selbstfahrertour durch das Gelände zu machen. Am Parkplatz fragten wir uns bereits, wie wir unseren Guide erkennen sollten, denn die Jeeps sahen alle gleich aus und nirgends stand geschrieben, wer zum wem gehörte. Kaum parkten wir, wurden wir auch schon freundlich von einem Mann angesprochen. Wir erwähnten erneut, dass wir Tour und Übernachtung in Khaled’s Camp gebucht hatten und der Mann zückte das Telefon “I will ask.” Natürlich verstanden wir kein Wort von dem Gespräch, aber es waren keine guten Neuigkeiten. Wir hatten zwar gebucht, hatten uns aber bei der Buchung im Datum vertan und so erwartete man uns erst am nächsten Tag. Anflüge von Panik machten sich breit, ob wir die Nacht wohl im Auto verbringen müssten. Doch hier spielte uns die aktuelle touristische Situation in die Hände: Es war zum Glück kein Problem, ein Zelt im Camp für diese Nacht zu erhalten. Der Mann mit Telefon wurde von Khaled kurzerhand als unser Guide abgestellt.

Frischluftfahrt

Er stellte sich als Tarik vor und bat uns um etwas Geduld, da er die Zutaten für den Lunch besorgen musste, aber was blieb uns schon übrig, als zu warten… und dann noch für unser Essen, da nahmen wir gerne ein wenig Wartezeit in Kauf.
Diese kann am Parkplatz für einen Toilettengang und eine Erfrischung im Restaurant genutzt werden. Nach nicht mal einer halben Stunde war alles fertig vorbereitet und unser Tourjeep stand bereit. Das Gepäck wurde auf das Gefährt geladen. Platz ist begrenzt, je nach Anzahl der Tourgäste. Wir waren durch unsere Schludrigkeit nur zu zweit und hatten damit die Sitzbänke auf der offenen Ladefläche für uns alleine. Sehr fein. Vorab hatten wir eine Tasche mit dem Nötigsten für eine Nacht gepackt und das restliche Gepäck im Auto gelassen. Nun wurde nur noch der Fotorucksack geschultert und das GPS startklar gemacht. Es gibt einige Caches in Wadi Rum und wir ahnten noch nicht, wieviel Spaß wir mit unserem Guide und unserem Hobby haben würden.

Luftig unterwegs

Luftig unterwegs

Los ging es, schunkelnd und ruckelnd auf die Piste in Richtung Wüste. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, das Licht war gleißend hell und der heiße Fahrtwind schlug uns auf der offenen Ladefläche ins Gesicht. Unbedingt also viel Wasser mitnehmen auf die Tour. Die Schotterstraße wechselte schon bald mit dem typisch roten Sand der Wüste ab und wir fühlten uns auf unserem Toyota Land Cruiser wie auf einem Wüstenschiff. Es machte irre viel Spaß.

Unser erster Stopp war Lawrence Spring. Erwähnt wurde diese Stelle bereits von Thomas Edward Lawrence, besser bekannt als Lawrence von Arabien, in seinem Buch “Die sieben Säulen der Weisheit”. Die Quelle ist über einen steinigen, felsigen und schweißtreibenden Aufstieg zu erreichen und bietet einen phänomenalen Ausblick über die Wüste. Das Wasser wird den Hügel hinab geleitet, aufgefangen und damit Kamele getränkt. An dieser Stelle steht auch ein Beduinenzelt. Hier wird leckerer, süßer, arabischer Tee und Lunch angeboten. Ein Beduine zeigte uns, wie das klassische jordanische rot-weiße Tuch auf dem Kopf als Sonnenschutz gebunden wird. Sogar ein Kamelritt kann gebucht werden, wir hatten uns aber dagegen entschieden. Nicht aber gegen den Kauf des Tuches, das nun den restlichen Tag Ronnys Kopf zierte und ihn vor der heißen Wüstensonne schützte.

Wadi Rum Sandboarding

Weiter ging die Fahrt zur Roten Sanddüne von Wadi Umm Ishrin. Tarik zog ein “Snow”board hinter der Rücksitzbank hervor, drückte es uns mit zwei warmen Worten als Anweisung in die Hand. Er zeigte auf die Düne und verabschiedete uns grinsend mit den Worten “Have fun”.

Snow... oder besser: Sandboard

Snow… oder besser: Sandboard

Während er es sich im Auto mit seinem Smartphone bequem machte, stapften wir mit dem Sandboard bewaffnet die Düne hoch, immer zwei Schritte vorwärts, einen Schritt zurück. Der Sand rieselte uns in die Schuhe und schien bald überall zu stecken.

Abwärts

Abwärts

Das hinderte uns nicht daran, das Sandboard unter die Schuhe zu schnallen und in rasender Geschwindigkeit die Düne hinab zu düsen. Wir begegneten beim Aufstieg wieder dem holländischen Paar, das wir im Dana Nature Reserve kennengelernt hatten. Die beiden guckten ganz neidisch auf unser Sandboard, denn ihr Guide hatte keines im Auto. Bei der Buchung der Tour also unbedingt in der Beschreibung auf Sandboarding achten, zu Fuß ist die Düne nur halb so spaßig. Zweimal hoch und runter reichte aber auch uns aus und wir leerten gefühlt 5 Kilo Sand aus jedem Schuh. Nach einem ordentlichen Schluck Wasser kletterten wir erneut auf den Jeep und weiter ging die Fahrt.

Wüsten-Geocaching

Felsbilder im Khazali Canyon

Felsbilder im Khazali Canyon

An unserem nächsten Stopp entließ uns Tarik in den wunderschönen Khazali Canyon. Hier gibt es einen gleichnamigen Earthcache zu lösen GC28G8D | Wadi Rum – Kha’zali Canyon und die Fragen konnten wir problemlos beantworten. Der Canyon ist auch nicht sonderlich lang und so kehrten wir nach kurzer Zeit bereits zurück zu unserem Guide. Der warf einen neugierigen Blick auf unser GPS und fragte, wozu wir das Gerät dabei haben. Wir erklärten ihm kurz unser Hobby und er bat uns, ihm Bescheid zu sagen, wenn wir uns mit dem Jeep einem Cache nähern sollten. Er wollte sich das nämlich gerne mit uns zusammen anschauen. Gesagt, getan… und wir näherten uns einer Box an einer weiteren Düne. Wir hielten an und machten uns auf den Weg, die Düne zu besteigen. Tarik folgte uns nun, anstatt im Auto zu warten. Barfuß und mit gelupftem Beinkleid kletterte er behände wie eine Bergziege den steilen Aufstieg empor.

Sanddüne

Sanddüne

Wir suchten eine Weile und bald hielten wir die Box von GC2N9G2 | Red Dune in der Hand. Unser Guide war völlig aus dem Häuschen und trug sich ebenfalls in das Logbuch ein. Wir genossen noch kurz die Aussicht und rannten übermütig die Sanddüne herunter, bevor wir uns weiter auf die Tour begaben. Der nächste Stopp war dann etwas außerplanmäßig in der Nähe der Dose GC3B7VN | Simone’s Box an einer Felsformation – Tarik fragte unterwegs ständig irgendwas zum Geocaching. Er war voller Elan und erneut barfuß den Felsen hinauf geeilt. Seine Freude war groß, als er selbst zuerst das Döschen aus der Felsspalte ziehen konnte.

Gefunden :)

Gefunden 🙂

Nach einem unspektakulären Zwischenstopp an einer Ruine namens Lawrence House ging es weiter zu einem Felsbogen: Om Lofroth. Während wir die Rock Bridge erkletterten und auf der Brücke für witzige Fotos posierten, machte sich Tarik mit unserem GPS im Alleingang auf die Suche nach dem Cache GC4FJWT | Om Lofroth. Mohammad and Jans favourite.

Steinbogen Om Lofroth

Steinbogen Om Lofroth

Wir beobachteten ihn, wie er auf einem schmalen Grat kletterte und hinter jeden Stein guckte, der ihm in den Weg kam. Ronny eilte ihm zu Hilfe und irgendwann hatten die beiden Glück und konnten sich auch in dieses Logbuch eintragen.

Tarik beim Klettern

Tarik beim Klettern

Eine Nacht im 1.000-Sterne-Zelt

Langsam neigte sich der erste Tag zu Ende und es wurde Zeit, ins Camp zu fahren. Dort angekommen verabschiedete sich Tarik von uns und wir bekamen unser Zelt: einfach, aber mit einem festen Bett, einem Beistelltisch, einem Mülleimer und auch einer Steckdose ausgestattet. Selbst elektrisches Licht gab es in unserer bescheidenen Unterkunft, womit wir gar nicht gerechnet hatten. Wir packten unsere Siebensachen auf das Bett und begaben uns zu den anderen Gästen hinauf auf eine Felsplattform, die mit Kissen bestückt war. Es wurde wieder leckerer arabischer Tee serviert und wir warteten bei Gesprächen mit den anderen Gästen gemeinsam auf den Sonnenuntergang. Es war traumhaft, wie sich die Sonne allmählich hinter die Berge des Wadi Rum senkte und langsam der Polarstern sichtbar wurde.

Sonnenuntergang im Wadi Rum

Sonnenuntergang im Wadi Rum

Als das wärmende Licht der Sonne verschwand wurde es rasch kühl, wir schlüpften in unsere Fleecejacken und wurden von Khaled zum Dinner gerufen. Das Essen wird hier im traditionellen Bodenofen zubereitet. Auf einem Metallgestell werden Kartoffeln, Gemüse und Hühnchen über mehrere Stunden im Wüstensand gegart und das Gestell in einer kleinen Zeremonie aus dem Boden nach oben gezogen.

Anschließend begaben wir uns alle zum Hauptzelt, in dem das Dinner serviert wurde. Die sandigstaubigen Schuhe bleiben, wie es bei den Beduinen üblich ist, draußen und barfuß oder auf Socken wird auf den tiefen Kissen Platz genommen. Das Buffet war eröffnet und zu dem traditionellen Gericht gab es Fladenbrot, Hummus, Baba Ghanoush (eine Auberginenpaste), dazu frische Tomaten und Gurken. Alles einfach, aber köstlich. Nach dem Essen wurden die Shishas bestückt und wer mochte, konnte hier noch eine schmöken. Wir jedoch zogen Kamera und Stativ der Wasserpfeife vor: denn das nächtliche Himmelszelt erstrahlte in voller Sternenpracht.

1.000-Sterne-Hotel

1.000-Sterne-Hotel

Am nächsten Morgen war die Nacht sehr früh vorbei. Die Betten und Laken waren etwas kratzig vom allgegenwärtigen Sand und wir machten uns im Sanitärblock frisch. Es gibt westliche Toiletten mit Spülung im Camp, Waschbecken und sogar eine Dusche. Ob diese beim Wassermangel in einer Wüste genutzt werden sollte, muss jeder selbst entscheiden – jeder Tropfen muss extra hergeschafft werden. Bei nur einer Übernachtung tat es bei uns auch mal nur eine Katzenwäsche mit Wasser aus der Flasche, fanden wir. Im Zähneputzen mit der Wasserflasche waren wir ja nun mittlerweile geübt.

Vor Sonnenaufgang

Vor Sonnenaufgang

Jebel Qatar im Morgenlicht

Jebel Qatar im Morgenlicht

Nach dem Frühstück verfrachteten wir unser Hab und Gut erneut auf die Ladefläche des Toyota Land Cruisers – ein beeindruckend altes und klappriges Gefährt im besten Oldtimeralter. Aber er lief und Karim, unser neuer Guide, klemmte sich hinter das Steuer.

Neues altes Gefährt

Neues altes Gefährt

Aussicht auf Entspannung

Ganz ehrlich: wir waren platt!!! Nach zwei Tagen Wandern durch Petra, dem hinauf und hinunter von Sanddünen und Wüstenfelsen war uns mehr nach einem Faulenzertag. Daher baten wir Karim uns einfach ein bisschen herum zu fahren und wir machten ganz entspannt ein paar zusätzliche Stopps. Wir besichtigten eine jahrhundertealte Wassersammelstelle, einen weiteren Felsbogen und eine Einschlagstelle eines Meteoriten. Ansonsten genossen wir einfach die beeindruckende Landschaft von unseren Freiluftsitzen aus.

Karim ist nicht nur Guide und Fahrer, sondern auch Koch in Khaleds Camp – welch ein Glück. Zur Mittagszeit machte er Rast an einem schattigen Plätzchen, sammelte etwas Reisig und bereitete auf dem Wüstengrill köstliche Hähnchenteile zu. Er breitete eine Decke aus, verteilte ein paar Beilagen und frisches Gemüse und fertig war der Mittagstisch. Natürlich darf auch dieser Teppich, wie die Zelte, nicht mit Schuhen betreten werden. Es gesellte sich ein weiterer Guide dazu, der uns von Karims Kochkünsten vorschwärmte. Satt und glücklich wurden wir zu unserem Auto zurück ins Rum Village gefahren. Nach dem verstauen unserer Sachen und einer freundlichen Verabschiedung verließen wir das Wadi Rum. Unsere Jordanienreise wollten wir nun entspannt ausklingen lassen im Mövenpick Tala Bay Resort am Roten Meer bei Aqaba.

wüste Weiten

wüste Weiten


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2 Kommentare:

  1. Hallo ihr Zwei,

    danke für den schönen Bericht und den tollen Fotos. Da kamen Erinnerungen zurück und der Wunsch sofort wieder hin zu fahren. Ich fand das Wadi Rum auch super schön und entspannend!

    Viele Grüße
    Jens

    • Hey Jens,
      wir haben auch nur die besten Erinnerungen an die Tage in der Wüste. Das Leben dort folgt seinem ganz eigenen Rhythmus, das war eine spannende Erfahrung.
      VG von Christine

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