Wandern und Geocaching in den Drakensbergen

Das letzte Ziel auf unserer Rundreise durch Südafrika war der Royal Natal National Park (RNNP) in den nördlichen KwaZulu-Natal-Drakensbergen. Von St. Lucia fuhren wir auf der N2 der Küste folgend Richtung Durban und von dort weiter auf der N3 in Richtung Norden. Im Park herrscht weitestgehend Selbstversorgung, aus diesem Grund machten wir etwas nördlich von Durban einen Stopp in der Mall “The Pavillion Centre” bei Westville. Dort versorgten wir uns mit allem, was wir für die nächsten drei Tage und Nächte benötigen würden.
Viele Kilometer weiter verließen wir die Nationalstraße auf die R74, welche sich als Landstraße schnurgerade und schier endlos durch die Landschaft zog. Mit Bergville passierten wir die letzte Stadt mit einer Einkaufsmöglichkeit – und von dort sind es noch weitere 45 km bis zum Gate. Spätestens hier sollte man sich mit allem versorgt haben, was man für einen Aufenthalt im RNNP benötigt. Ein paar wenige Lebensmittel und Utensilien gibt es zwar auch im dortigen Shop, aber Öffnungszeiten, Auswahl und Menge sind begrenzt. Da sorgt man besser vor.

Ankunft mit Aussicht

Royal Natal Nationalpark

Royal Natal Nationalpark

Wie überall in Südafrika wurden wir auch am Eingangstor zum Nationalpark freundlich empfangen – zumindest das Gate war während unserer Ankunft am frühen Abend noch besetzt. Der besagte Shop oder auch die Rezeption hatten schon längst geschlossen. So erledigten wir alle Formalitäten bei der Einfahrt und fuhren die letzten Kilometer durch den Park ins Thendele Camp. Trotz der geschlossenen Rezeption ist die Schlüsselübergabe kein Problem. Auf einem großen Board sind die Namen der Neuankömmlinge angeschrieben und der Schlüssel samt Nummer der Hütte hinterlegt.
Als Ausgangspunkt für unsere Wandertouren diente eine geräumige Hütte im Upper Resort des Thendele Camps. Bei unserer Ankunft im Camp waren im wahrsten Sinne des Wortes die Affen los und es wird überall davor gewarnt, die Paviane zu füttern “You feed’em we shoot’em”. Die Tiere sind sehr aggressiv, auch wir wurden von einem großen Pavianmännchen verfolgt und konnten uns und unsere essbaren Habseligkeiten gerade so vom Auto in die Hütte retten. Dauerhaftes Abschließen der Hüttentür ist äußerst empfehlenswert.

Unser Bungalow war ziemlich geräumig und die Küche mit allem Notwendigen ausgestattet. Alles war sauber und ordentlich in den vielen Schränken verstaut. Als Ausstattung gibt es einen Herd, eine Mikrowelle und einen Tresen, dessen Höhe nicht ganz zur Höhe der Hocker passt 😉 – an Geschirr, Besteck, Gläsern, Töpfen und Küchenutensilien vermissten wir nichts und genug Platz für Vorräte ist in den Schränken auch. Ansonsten bietet der großzügige Wohnbereich zwei Sessel und einen Fernseher. Im Gegensatz zu den anderen Nationalparks hatten wir hier vollen Handyempfang und auch Internet über unsere südfrikanische SIM-Karte. Die großen Fenster lassen viel Licht in das Chalet und wer mag, kann auf der Terrasse die Braii-Station nutzen. Das Bad ist zwar groß, aber ansonsten eher einfach und hat den Charme einer Gemeinschaftsdusche, und auch das Schlafzimmer hätte mal wieder eine Renovierung nötig. Dafür bietet es durch das große Fenster einen spektakulären Blick auf das 8 km lange Amphitheater, eine fast senkrechte 1.000 m hohe Felswand und eines der Highlights im RNNP schlechthin.
Für den verbleibenden Abend hatten wir uns nicht mehr viel vorgenommen. Wir verstauten unsere sieben Sachen, organisierten, was wir für die nächsten drei Tage benötigen würden und begrüßten die einbrechende Nacht mit einem Gläschen Old Brown Sherry, während die imposanten Berge in der Dunkelheit verschwanden.

Tugela Gorge Trail

Unsere erste Wanderung auf dem sogenannten Tugela Gorge Trail führte uns in die Schlucht des Flusses Tugela. Der Fluss entspringt auf dem Bergplateau des Mont-aux-Sources und stürzt einen kaskadenartigen Wasserfall über 947 m in das Amphitheater hinein. Im weiteren Verlauf fließt er durch eben diese Schlucht, die wir entdecken wollten.
Zu Beginn der Wanderung muss man sich in ein Wanderbuch eintragen, damit abends überprüft werden kann, ob alle Wanderer auch wieder zurückgekommen sind – das Ganze passiert anscheinend eher auf freiwilliger Basis, aber es kann sicher nicht schaden.

Amphitheater

Amphitheater

Es war ein heißer Frühsommertag und mit uns waren einige weitere Wanderer unterwegs. Einige schienen jedoch teilweise die Hitze und das Terrain unterschätzt zu haben und kehrten frühzeitig wieder um. Mit ausreichend Wasser und Proviant im Gepäck nahmen wir uns viel Zeit, den gut gehbaren Wanderweg zu genießen und jede Menge Fotos zu schießen. Hinter jeder Kurve boten sich neue atemberaubende Ausblicke auf den Berg Mont-Aux-Sources, das Amphitheater oder interessante Felsformationen wie den Policeman’s Helmet.
Nach ein bisschen Gehzeit hielten wir mit GC2A55E | RNNP – Amphitheater View eine Dose mit Aussicht in den Händen – ein kleines Päuschen ließ uns innehalten und den Anblick genießen. Der Pfad schlängelt sich immer weiter in die Schlucht und führt teilweise durch kühle schattige Wäldchen, die immer mal wieder für kleine Pausen einladen. Dramatische Höhenmeter sind auf der gesamten Strecke eher nicht zu überwinden.
Bevor der Wanderer allerdings zum Highlight am Ende des Trails, einer engen Schlucht mit dem treffenden Namen The Tunnel, vordringenden kann, muss er sich für mehrere hundert Meter durch das felsige Flussbett des Tugela kämpfen. Hat man diese Passage erfolgreich gemeistert, warten neben dem Tunnel auf den geneigten Geocacher zwei weitere Caches als Belohnung: der gleichnamige Earthcache GC27WA0 | Tugela Trail Gorge und der Tradi GC2A56B | RNNP – Gorge pebbles.

Ok, letzterer hat eine etwas optimistisch angegebene 3er T-Wertung. Wenn der Wasserstand im Tunnel zu hoch ist, wie es während unseres Besuchs der Fall war, muss man eine ca. 20 m lange Kettenleiter hinauf und danach eine ca. 15 m hohe Felsspalte durchsteigen, um an das Versteck zu gelangen. Zurück geht es dann entweder mit einem beherzten, 2 m tiefen Sprung ins kühle Nass oder auf gleichem Weg zurück durch die Felsspalte und die Leiter hinab. Wir wählten die letztere Variante, wenn auch mit wackeligen Beinen, denn die Klettertour über die Leiter und die Felsspalte war eine ziemlich klapperige Angelegenheit. Für die gesamte Wanderung vom Start bis zurück zum Parkplatz benötigten wir ca. sieben Stunden.

Royal Lost Place

Am Folgetag verschaffte uns das Regenwetter einen entspannten und faulen Vormittag in unserer Hütte, den wir zum Fotos sichten und Lesen nutzten. Kaum durchbrach am Nachmittag der erste Sonnenstrahl den Himmel, machten wir uns auf den Weg des Mahai River Walks.

Mahai River Walk Hängebrücke

Mahai River Walk Hängebrücke

Entlang dieses gut ausgebauten Wanderweges gibt es viele Caches als Powertrail und wir konnten uns erfolgreich in einige Logbücher eintragen. Besonders erwähnenswert war für uns der Mystery GC5TYTC | RNNP – Ruined Hotel. Dieser Geocache führte uns zum ehemaligen Royal Natal National Park Hotel, in dem Queen Elizabeth II. ihren 21. Geburtstag feierte. Dieser Lost Place beherbergt heute keine (royalen) Gäste mehr, sondern allerlei Getier, von großen Pavianen bis zu Fledermäusen. Wir stromerten eine Weile über das Gelände, bis wir den richtigen Zugang in die obere Etage fanden, in der anno dazumal der royale Besuch nächtigte und sich heute der Petling versteckt. Und welch eine Überraschung, wir ergatterten sogar den STF an diesem großartigen verlassenen Ort.
Stellvertretend für die Serie an Tradis des Owners “Sclanders Clan” erwähnen wir den Cache GC544GF | RNNP – The Swinging Bridge an einer kleinen Hängebrücke. Diese Dose wurde nicht nur eine Weile nicht gefunden, sondern wir konnten daraus auch noch einen TB retten, der schon länger nicht mehr gereist war.

Leider hatten wir wetterbedingt nicht viel Zeit und so schafften wir es nicht, den kompletten River Walk abzulaufen. So blieb es bei sieben eingesammelten Geocaches im RNNP und einigen schönen Stunden in diesem wunderbaren Teil des Parks.

Auf Wiedersehen, Südafrika

Am nächsten Tag war es wieder soweit – wir mussten nicht nur Abschied nehmen von den Drakensbergen, sondern auch Packen und die ca. 4-stündige Fahrt zum Flughafen nach Johannesburg antreten. Der nächste Nachtflug sollte uns für ein paar Tage nach Dubai, unserem letzten Stopp auf dieser wunderbaren Reise, bringen. Die Rückfahrt über die N3 verlief ohne Zwischenfälle und wurde nur durch einen Halt in der Heidelberg-Mall unterbrochen. Hier haben wir uns mit unserem geliebten O.B.s, dem süßen Old Brown Sherry, eingedeckt. Am Flughafen ging dann alles viel zu schnell, die Rückgabe des Autos, die Abgabe der Koffer und der Sicherheitscheck. Wieder einmal hieß es Abschied nehmen vom wunderschönen Südafrika: the world in one country.

Wir kommen wieder, ganz bestimmt!

Regen zum Abschied

Regen zum Abschied


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