Wandern im Naturreservat von Dana

Stockduster war es, als wir die schmale Straße vom Kings Highway hinunter ins Dana Village kurvten. Nach unserem Besuch auf der Kreuzfahrerburg von Kerak ging ziemlich schnell die Sonne unter und auf der anschließenden Nachtfahrt haben wir ein paar Nerven gelassen. Tiere und Fußgänger kreuzten unvermittelt die Straße, schlecht oder gar nicht beleuchtete Fahrzeuge erschienen wie aus dem Nichts vor uns… wir waren dankbar, als wir im Dorf angekommen waren.

Ankunft im Dunkeln: Dana Village

Ankunft im Dunkeln: Dana Village

Dana Tower Hotel

Bei Licht betrachtet liegt das Dorf malerisch, im Wadi Dana, einem ausgetrockneten Flussbett. Wir holperten über das grobe Kopfsteinpflaster in die gefühlte hinterste Ecke des Dorfes und direkt vor unsere Unterkunft: dem Dana Tower Hotel. Heute ist der Großteil des Dana Village so gut wie unbewohnt. Nur ein paar wenige Familien sind der Landflucht nicht gefolgt und bewirtschaften Dana ausschließlich zu touristischen Zwecken. Was die Touristen hierher zieht, ist das Biosphärenreservat Dānā mitsamt Canyon, welches mit 320 qkm das größte und auch das älteste Naturreservat Jordaniens ist.

Wadi Dana im Morgenlicht

Wadi Dana im Morgenlicht

Nach der Fahrt waren wir ordentlich ausgehungert und kamen zum Glück pünktlich zum Abendessen im Hotel an. Das Hotel, oder eher Hostel, ist günstig und wir bekamen ein kleines Zimmer mit eigenem Bad, hinten, unten, ums Eck. Es war etwas kalt und auch leicht muffig. Dazu gab es kleinere Probleme mit einem leckenden Wasserschlauch am Klo, aber gut, es war ja nur für eine Nacht.

Die Betten waren ziemlich kurz und schmal und jeder musste für sich in einer Ecke auf seiner kleinen Pritsche schlafen. Dafür war es trotzdem recht liebevoll dekoriert. Das Essen: einfach, typisch jordanisch und sehr lecker. Durch den Hostelcharakter – für uns ist das sowas wie Neuland – sitzen die Leute alle beisammen. Auch der Gemeinschaftsbereich ist wirklich knuffig eingerichtet. Auf der Dachterrasse des Tower Hotels gibt es auf mehreren Ebenen Sitzecken mit Kissen, Decken und Polstern. Irgendwie gemütlich.

Wandern im Dana Nature Reserve

Die Nacht war kurz und wir standen mit den ersten Sonnenstrahlen auf, da wir vor der großen Hitze bereits loswandern wollten. In Dana können viele Trekkingtouren unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit gestartet werden – einige davon allerdings nur mit einem Guide. Doch auch für Unternehmungen auf eigene Faust gibt es ein paar Touren und einen Wandertag bekommt man auch ohne Führung locker gefüllt.

Start des Rummana Trail

Start des Rummana Trail

Am Abend zuvor bestellten wir ein Lunchpaket und erhielten daher zwei Tüten mit Fladenbrot, Apfel, Gurke, Keksen und Saft. Nach einem weiteren jordanischen Frühstück packten wir unsere Habseligkeiten wieder in den Mietwagen und starteten Richtung Naturreservat.

An der kurvigen Straße aus dem Dana Village heraus machten wir einen schnellen Stopp, für den ersten Geocaching-Fund des Tages: GC6QKAN | Dana View. Der Ausblick auf den Dana Canyon und die umgebende Landschaft ist atemberaubend und gab uns schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns am Tage noch erwarten würde. Der Platz rund um die Dose ist dagegen weniger einladend. Überall fliegt Müll rum, was uns leider an vielen öffentlichen Plätzen und in der Natur negativ aufgefallen ist. Die Menschen in Jordanien sind da leider wenig umsichtig und verteilen ihre Hinterlassenschaften nach einem Picknick wo sie gehen und stehen.

Dana Shuttle

Dana Shuttle

Am Eingang zum Park sind ein paar Formalitäten zu klären. Wir mussten uns registrieren und eine Gebühr in Höhe von 8 JD p.P. (der Jordan Pass gilt nicht) zahlen. Das Auto parkten wir am Besucherzentrum. Es ist übrigens sicher, das Auto in Jordanien an den Sehenswürdigkeiten zu parken, im Gegensatz zu Südafrika muss auch nichts leer geräumt werden.
Weiter geht es über den steilen Serpentinenweg hinab in den Park, entweder zu Fuß oder mit dem angebotenen Shuttletruck. Wir wählten den bequemen Weg, der Tag sollte noch lange genug auf Schusters Rappen erfolgen. Außerdem brannte die Sonne doch schon enorm zu dieser frühen Stunde. Wir schulterten die Wanderrucksäcke, erhielten noch ein paar Tipps von den Jungs aus dem Visitor Center und hüpften auf die Ladefläche des Trucks. Das Wägelchen ruckelte langsam und geräuschvoll die Piste hinunter zum Campingplatz Rummana.

Auf der Ladefläche

Auf der Ladefläche

Dort hieß es absitzen und jetzt konnten wir wählen: Vom Campingplatz starten mehrere Wanderwege und wir hatten uns für den Rummana Mountain Trail, den Campsite Trail und den Cave Trail entschieden, jeweils mit ca. 2 Stunden Wegezeit – alles Rundwege, die wir nacheinander bewandern wollten. Für das Wandern im Dana Reservat gilt, wie so häufig, etwas Wasser und Proviant einzupacken. Vor Ort gibt es am Campingplatz die Möglichkeit, sich Wasser, Tee oder kleine Snacks zu holen, aber unterwegs an den Wanderwegen gibt es natürlich nichts Erfrischendes.

Rummana Campingplatz

Rummana Campingplatz

Rummana Mountain Trail

Der Rummana Mountain Trail ist ein Rundweg, der über etliche Höhenmeter auf den Rummana Mountain führt. Immer wieder bieten sich hier spektakuläre Aussichten über das Tal und es gibt viel zu entdecken. Teils geht es schon sehr steil hinauf und der Weg ist vereinzelt schlecht zwischen der kargen Vegetation und dem Geröll zu erkennen.

On the edge

On the edge

Fast oben angekommen, lässt uns das GPS an GC333X0 | Rumana edge stoppen. Wir suchten eine Weile den besten Zugang, laut Hint “on the edge of the edge”. Und das war gar nicht so ohne. Neben dem Weg ist es abschüssig bis zu einem steilen Abhang, von dem aus es viele Meter in die Tiefe geht. Die Terrainwertung von 4 Sternen ist eindeutig zu gering. Diese Wertung bedeutet bereits körperlich herausfordernd, aber ohne Hilfsmittel machbar.
Wir können absolut nicht empfehlen, diesen Cache ohne Sicherung anzugehen – ein Fehltritt auf dem zur Felskante hin abschüssigen, rutschigen Boden und das wäre es dann gewesen… Da wir kein Seil zur Sicherung dabei hatten, haben wir es auch sein lassen. Safety first statt Statistikpunkt.

Aussicht vom Berg Rummana

Aussicht vom Berg Rummana

Trotzdem ist der Blick großartig und wir stiegen noch die letzten Meter hinauf bis zum höchsten Punkt des Berges Rummana mit Sicht zur Wüste im Osten. Danach ging es auf der anderen Seite des Berges flink hinab und mit großem Bogen kehrten wir zurück zum Camp. Zurück am Campingplatz machten wir uns über die Lunchpakete aus dem Hotel her. Es war Wochenende und einige Jordanier waren unterwegs im Reservat oder machten einfach nur ein Picknick.

Campsite und Cave Trail

Der Campsite Trail führt als Rundweg um den Campingplatz. Klingt erstmal langweilig, bietet aber wunderschöne Ausblicke auf die pittoresken Dana Mountains. Für Birder, also Menschen die Vögel beobachten und mit großen Objektiven fotografieren, ist der Trail ein wahres Eldorado. Besonders während der Brutzeit ist das Reservat ein beliebter Spot. Wir sahen eine Gruppe dieser Birder ausgerüstet mit Spektiv und riesigen Teleobjektiven auf der Suche nach einem Adler, der hier seine Runden drehen soll. Wir selbst hielten uns nicht so lange auf, sondern sammelten die beiden Caches GC1VYMF | Dana Rumanaof und GC6QKBJ | Dana Valley view entlang des Weges ein. Beide waren gut und ohne größere Probleme machbar.

Geocache mit Aussicht

Geocache mit Aussicht

Jetzt fehlte eigentlich nur noch der letzte Trail für den heutigen Tag: der Cave Trail. Hier sollten wir zu einer Ansammlung vieler kleiner und großer Höhlen an einer Felswand geführt werden. Der Weg startet ein wenig versteckt oberhalb des Campingplatzes und geht rechts von der Zufahrtsstraße ab. Der Trail ist mit kleinen Schildern ausgezeichnet, die mal mehr, häufig aber weniger gut zu sehen sind.

Nach ein paar Kilometern an den großen Höhlen fanden wir gar keine Markierungen mehr und der Weg verlor sich irgendwo zwischen Staub, Steinen und trockenem Gras. Umkehren oder einen steilen Hang hinab zu klettern, an dem eventuell der Weg weiterführen könnte, waren unsere Optionen. Wir trafen hier ein holländisches Paar, die beiden hatten ebenfalls Schwierigkeiten, den Trail zu finden, und so machten wir es ihnen gleich, und traten den Rückzug an. Bei beiden Geocaches entlang des Weges hatten wir auch kein Glück. Irgendwie war der Wurm drin und so kehrten wir leicht gefrustet um.

Dana Naturreservat

Dana Naturreservat

Zurück an der Straße gab es zwei Möglichkeiten: per Pedes die steile Serpentinenstraße hinauf oder zurück zum Campingplatz und dort den Shuttletruck nehmen. Wir wähnten uns schon auf einem guten Drittel der Strecke hinauf und entschieden uns für den Fußweg. Was für ein Fehler! Die Strecke war viel länger und steiler, als gedacht, die Hitze unerträglich – kein Schatten weit und breit… und die Knochen wurden langsam müde. Was waren wir froh, als hinter uns das Tuckern des Shuttles immer lauter wurde. Mit einem wissenden Lächeln winkte uns der Fahrer zum Einsteigen und nahm uns mit. Wir klagten kurz, er lachte und stimmte voller Inbrunst ein arabisches Lied an… herrlich. Je höher und weiter wir fuhren, desto mehr freuten wir uns, im ruckelnden, zuckelnden Truck zu sitzen. Wie sagt man so schön, besser gut gefahren als schlecht gegangen… 😉

Panorama

Panorama

Wir hatten einen ausgiebigen und tollen Wandertag im Dana Nature Reserve hinter uns und konnten uns von der langen Autofahrt des Vortages ordentlich die Beine vertreten. Aber das war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns an Wanderungen in den nächsten zwei Tagen erwartete: Der Kings Highway wies uns den Weg zum Weltkulturerbe Petra.


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2 Kommentare:

  1. Sehr schöner Artikel.
    Es ist schon sehr beeindruckend und schön zu lesen, was ihr so erlebt!
    VG

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